2.1 Naturphilosophie
2.1.1 Erste Beurteilungen: Skepsis und Zögern
Bisherige Kontextualisierungen von mikroskopischen Beobachtungen gehen zumeist davon aus, dass diese jeweils unter bestimmten, disziplinär geprägten Bedingungen stattgefunden haben. Angesichts der bereits angedeuteten personellen und thematischen Überschneidungen und Differenzen erscheint es jedoch ratsam eher danach zu fragen, ob und zu welchem Ausmaß bestimmte geistesgeschichtliche Traditionen in Form von Perspektiven und Thematiken die Durchführung mikroskopischer Beobachtungen beeinflusst haben. Somit kann einerseits die Möglichkeit besser berücksichtigt werden, dass die Akteure ihre Forschung in mehrere Kontexte gestellt haben könnten. Andererseits können etwaige Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Kontexten auf diese Weise leichter erfasst werden. Im folgenden soll es also nicht darum gehen, die Geschichte mikroskopischer Beobachtungen innerhalb der Naturphilosophie (und dann der Naturgeschichte und Medizin) nachzuvolliehen, vielmehr soll der Einfluss und die Relevanz dieser Traditionen auf die Forschung mit diesem neuen Instrument beleuchtet werden. Dabei sind einerseits explizite Auseinandersetzungen mit Traditionen und ihren Begrifflichkeiten zu untersuchen, andererseits ist zu beachten, in welchem Zusammenhang die traditionelle Kontextualisierung einer Thematik und die tatsächliche Ausrichtung spezifischer Beobachtungen standen.
Grundsätzlich lassen sich zwei Ebenen unterscheiden, auf denen Mikroskopie und Naturphilosophie zueinander in Bezug traten: Erstens konzipierte eine Reihe von Forschern ihre Beobachtungen hinsichtlich der Thematik und der Auswahl der Objekte in engem Zusammenhang mit naturphilosophischen Theorien. Hierzu zählen vor allem die Fälle, in denen die Beobachtung von bestimmten Stoffen auf ihre mikroskopischen Strukturen hin dadurch motiviert worden war, dass verschiedene Korpuskularphilosophien versucht hatten, die Eigenschaften und Veränderungen von Materie aus den Formen und Bewegungen kleinster Partikel zu erklären. Zweitens wurden aber die Beobachtungen allgemein aus philosophischer Perspektive bezüglich ihres prinzipiellen Erkenntniswertes unterschiedlich beurteilt, wodurch weitere Forschung angeregt oder behindert werden konnte.
Beide Aspekte traten zunächst eher in allgemein gehaltenen, programmatischen Ausführungen in Erscheinung als im Zusammenhang mit konkreten Untersuchungen: Francis Bacon
Auch René Descartes
2.1.2 Etablierung
Gassendi begriff mikroskopisches Beobachten also zum einen als wichtiges Mittel einer empirisch vorgehenden Naturphilosophie und befand sich damit in direkter Opposition zu Descartes
Die Bemerkungen über Farbphänomene an Pfauenfeder zeigen zwar, dass sich Kirchers theoretische Erklärungen zusammen mit einen Beobachtungen veränderten, dabei aber weiterhin auf bereits bestehende Begrifflichkeiten zurückgegriffen wurde. Diese stammten allerdings wiederum nicht aus dem korpuskularphilosophischen Kontext: In der Ars magna lucis et umbrae (1646) hatte Kircher die verschiedenen Farben, die an Federn zu beobachten waren, noch auf eine besondere Mischung der vier aristotelischen Elemente zurückgeführt und dabei keinerlei Beobachtungen mit dem Mikroskop erwähnt.16 Im zweiten Teil des Itinerarium extaticum (1657) und dem Mundus subterraneus (1665) beschrieb er hingegen die mikroskopische Struktur der Pfauenfedern als eine Ansammlung von durchsichtigen, prismenförmigen Fasern aus Salz und stellte damit diesmal statt zum Aristotelismus eine Verbindung zur paracelsischen Alchemie her.17
Dementsprechend unterschied sich auch Kirchers generelles Konzept des mikroskopischen Beobachtens deutlich von dem der anderen Forscher: Einerseits verstand Kircher das Mikroskop als Produkt einer von der Hermetik inspirierten Magia naturalis und charakterisierte das Beobachten mit demselben als spektakuläres Erkennen der Macht Gottes. Andererseits wurden die Beobachtungen aber in der gleichen Weise wie bei Gassendi
Nach anfänglicher Skepsis und Zurückhaltung hatte sich das mikroskopische Beobachten also in den Arbeiten von Gassendi
2.1.3 Kompilation und Heterogenität
Borels grundsätzliche Herangehensweise scheint jedoch trotz der zahlreichen und vielfältigen naturphilosophischen Verweise in erster Linie aus der Medizin zu stammen: Mit der Anlage des Textes als Beobachtungssammlung bezog er sich auf ein in dieser Disziplin beliebtes und somit in gewisser Weise epistemologisch aufgeladenes Textgenre. Dementsprechend erwähnte Borel auch Beobachtungen, die einen explizit medizinischen Kontext hatten, und ferner solche, die eher naturhistorische Züge zeigten.23
Somit hatte Borel zwar die Kontextualisierung mikroskopischer Beobachtungen im Bereich der Naturphilosophie, wie sie von Gassendi
2.1.4 Stagnation
Trotz einiger neuer Ideen spielte das Mikroskop für Boyle aber letzten Endes im Vergleich mit anderen Forschungstechniken keine so herausragende Rolle wie für Borel
2.1.5 Beobachtung, Theorie und Kritik
In seiner Micrographia (1665) versuchte sich Hooke entsprechend seiner Kritik an Power
Doch auch wenn naturphilosophische Fragen eine zentrale Rolle spielten, werden gerade anhand der Micrographia die zunehmenden Schwierigkeiten der Verbindung von Naturphilosophie und mikroskopischem Beobachten deutlich: Erstens waren die Verbindungen zwischen den Beobachtungen und den theoretischen Konzepten keinesfalls enger geworden, auch wenn dies durch die Form des Textes suggeriert wurde. Während Hookes Vorgänger in erster Linie Theorien mittels mikroskopischer Beobachtungen illustriert hatten oder versucht hatten, die beobachteten Phänomene mittels bestehender Begriffe zu erklären, erwecken einige Abschnitte der Micrographia eher den Eindruck, als hätte Hooke einige Beobachtungen lediglich angeführt, um einen Vorwand zu haben, bestimmte Aspekte seiner Naturphilosophie zu erläutern, ohne dass diese überhaupt in einem direkten Zusammenhang mit den Untersuchungen selbst gestanden hätten: So wurde das Prinzip der Kongruenz verschiedener Stoffe ausgehend von einer Untersuchung von Glasröhren erläutert, die zentralen Punkte hierfür waren jedoch das durch den Luftdruck verursachte Aufsteigen von Wasser in diesen Röhren, die Mischung verschiedener Flüssigkeiten, sowie ein Experiment mit in Vibration versetztem Sand, nicht aber das Glas selbst.35 Noch deutlicher wird diese Diskrepanz aber im Zusammenhang mit den Überlegungen zur Entstehung von Farben: Hooke hatte den Schwerpunkt seiner Untersuchungen von Körperfarben auf „fantastische“ Farben verlagert und dabei noch mehr die Möglichkeit miteinbezogen, Farbphänomene zu manipulieren, um sie besser zu verstehen. Deswegen wurden Plättchen aus dem Schichtsilikat Muskovit, an denen sich Farbringe bildeten, als ein besonders geeignetes Beobachtungsobjekt eingeschätzt.36 Die entsprechenden Beobachtungen widersprachen aber letztlich der angefügten Theorie: Die Reihenfolge der Farben in den Ringen, die an Muskovit beobachtet wurden, unterschied sich von der des Spektrums, welche der Theorie zugrunde lag.37
Zweitens scheint sich das Verhältnis von Theorie und Empirie aber auch auf einer grundsätzlichen Ebene verkompliziert zu haben: Nachdem die Beobachtungen seiner Vorgänger in erster Linie Theorien und Ideen bestätigt hatten, nutzte Hooke seine Untersuchungen auch, um ausgehend von ihnen Kritik an bestimmten korpuskularphilosophischen Konzepten zu üben. Zum einen lehnte er die Vorstellung einer plastischen oder vegetativen Kraft, wie sie von Kircher
Einerseits hatte Hooke also den Zusammenhang zwischen Theorien und Beobachtungen scheinbar gestärkt, da er seine Schilderungen auf beiden Ebenen deutlich ausführlicher als seine Vorgänger ausgeführt hatte. Andererseits entpuppt sich der Bezug beider Aspekte aufeinander in Hinblick auf Hookes eigene Theorien bei genauerem Blick als weniger bedeutsam, als er zuerst erscheint. Zugleich wurde durch die Kritik an fremden Theorien aber auch eine negative Perspektive in die Beziehung zwischen Mikroskopie und Naturphilosophie eingeführt und somit in gewisser Weise der Bezug zwischen beiden wiederum geschwächt.
2.1.6 Dominanz der Beobachtungen
Für seine eigene Theorie der Materie machte Leeuwenhoek die Kugel zur grundlegenden Form. Im Gegensatz zu Hooke
Vielmehr lassen sich bei Leeuwenhoek sogar Tendenzen dazu erkennen, zumindest zeitweise ganz von naturphilosophischen Fragen Abstand zu nehmen: Seine Untersuchungen von Salzen standen 1674 zunächst unter der Frage der Formbildung und beinhalteten abermals die Entdeckung von Globuli als Grundelementen. Gegen Ende des Jahres begann Leeuwenhoek jedoch zunehmend sich auf die Beschreibung der spezifischen Partikel verschiedener Salze zu verlegen. Mit diesem Perspektivwechsel und der Auswahl der Objekte richtete Leeuwenhoek seine Beobachtungen auf Aspekte aus, die auch eine gewisse Relevanz für naturhistorische und medizinische Fragen beziehungsweise praktische Belange hatten.46 Dies dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass einige von Leeuwenhoeks Korrespondenten, etwa Christiaan Huygens
2.1.7 Zusammenfassung
Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass nach einer anfänglichen, allgemeinen Skepsis gegenüber mikroskopischen Beobachtungen als Mittel der naturphilosophischen Forschung eine Neubewertung durch Gassendi
Darüber hinaus kann aber auch festgestellt werden, dass sich innerhalb des naturphilosophischen Kontextes bestimmte Strömungen zu stärkeren Einflüssen entwickeln konnten als andere: Während Kirchers
2.2 Naturgeschichte
2.2.1 Verzögerte Einführung
Im Gegensatz zur Naturphilosophie, die sich weniger für die Spezifika von Objekten als für allgemeine Prinzipien interessierte, strebte die Naturgeschichte nach der Beschreibung, Klassifikation und Systematisierung einer möglichst großen Anzahl von Naturgegenständen, und dementsprechend war das Beobachten von vornherein ein zentraler Aspekt der naturhistorischen Forschung.49 Trotzdem verringerte sich auch der Einfluss der naturhistorischen Tradition auf die mikroskopische Forschung schrittweise, wobei wiederum zwei Ebenen zu unterscheiden sind: Erstens spielte der für die Naturgeschichte zentrale Aspekt der Klassifikation und Systematisierung von Lebewesen nur in seltenen Fällen eine Rolle in mikroskopischen Beobachtungen. Zweitens wurden durch die neuen Beobachtungen die Fakten der naturhistorischen Tradition mehr und mehr in Zweifel gezogen; wiederum waren mikroskopische Beobachtungen also Ausgangspunkt für Kritik an bestehendem Wissen. Zugleich lassen sich in den Beobachtungen zunehmend Einflüsse aus anderen Kontexten erkennen. Ursprünglich vor allem naturhistorisch besetzte Themen wurden also in beträchtlichem Maße aus diesem Zusammenhang herausgelöst und unter neuen Perspektiven bearbeitet.
Eine weitere Parallele zeigt sich darin, dass sich das Mikroskop auch für naturhistorische Thematiken nur langsam als Instrument etablierte: Während niederländische Künstler bereits um die Jahrhundertwende zuweilen Vergrößerungsgläser für Untersuchungen von Insekten verwendeten, ist dies für Naturhistoriker zur gleichen Zeit mehr als zweifelhaft.50 So hatte Thomas Moffett
Im Fall von Nicolas-Claude Fabri de Peiresc
2.2.2 Gespaltenes Verhältnis zur Tradition
Auch wenn Peiresc
Auffällig ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass bei zwei zentralen Aspekten des Apiariums nicht auf mikroskopische Beobachtungen verwiesen wurde: Die Systematik der Bienen im Zentrum dieses Faltblattes beinhaltet erstens zwar auch die anatomischen Unterschiede verschiedener Bienenarten und -typen, diese waren jedoch nicht die Grundlage des Schemas. Zweitens wurden auch hinsichtlich der Fortpflanzung beziehungsweise Zeugung der Bienen keine mikroskopischen Beobachtungen erwähnt. In beiden Fällen dominierten stattdessen Analogien zum Papsttum: Die Bienen wurden nicht primär anhand ihrer Gestalt, sondern nach ihren verschiedenen sozialen Eigenarten und Funktionen im Gefüge eines Staates unterschieden und beschrieben, an dessen Spitze ein König mit den Eigenschaften des Papstes stand. Die Zeugung der Bienen fand dementsprechend nicht durch Kopulation statt, sondern durch eine spezielle Einwirkung des Bienen-Königs auf den Honig.58
In ähnlicher Weise war auch die Morphologie nur eine von vielen Kategorien zur Klassifikation innerhalb von Cesis neuem System der Pflanzen, dessen erste Tafeln allerdings erst 1651, also 21 Jahre nach seinem Tod, von Stelluti zusammengestellt und veröffentlicht wurden.59 Die im Zuge der Beobachtungen erstellten Zeichnungen dokumentieren allerdings, dass man zuvor mit viel Aufmerksamkeit die Samen von Farnen und anderen Pflanzen gesucht hatte, und somit anders als bei den Bienen auch die Zeugung genauer untersucht worden war. Diese Bilder wurden jedoch seinerzeit nicht veröffentlicht und werden erst in jüngster Zeit überhaupt den Lincei zugeordnet.60
2.2.3 Emanzipation
Auch Borels Beobachtungen von Pflanzen waren eher ein Anschluss an das, was er aus fremden mikroskopischen Beobachtungen erfahren hatte, als eine Umsetzung naturhistorischer Konzepte: Die Beschreibung der inneren Gefäße schloß einerseits wiederum an Fontana
Die Idee der Klassifikation von Lebewesen spielte scheinbar weder in den Insekten- noch den Pflanzen-Beobachtungen Borels eine Rolle. Neben dem bereits erwähnten Umstand, dass die Anzahl von Untersuchungen bisher unbekannter Insekten zugenommen hatte, wies Borel auch explizit darauf hin, dass durch das Mikroskop weitere „neue“ Pflanzen und Tiere entdeckt werden würden, wodurch abermals der Gegensatz zwischen dem traditionellen Wissensbestand und den Ergebnissen der mikroskopischen Untersuchungen betont wurde.71
Fontana
2.2.4 Rückbezug und Neuordnung
Dennoch glich Power seinen Vorgängern insofern, dass auch bei ihm die Beobachtungen von Insekten zunehmend durch medizinische Ideen beeinflusst wurden. Dies zeigt sich vor allem darin, dass neben den Augen und den Stacheln der Insekten auch ihr Herzschlag besonders berücksichtigt wurde.74 Auffällig ist dagegen, dass die Beobachtungen an Pflanzen, bei denen sich keine derartige Vermischung von Fragen aus verschiedenen Kontexten erkennen lässt, vergleichsweise kurz ausfielen.75
Die von früheren Forschern vorangetriebene Emanzipation mikroskopischer Forschung von der naturhistorischen Tradition war also von Power
2.2.5 Spezialisierung und offene Kritik an der Tradition
Borel
Einige Jahre später grenzte sich Malpighi dann im Rahmen seiner Anatome plantarum (1675/1679) beziehungsweise des ihr vorausgeschickten Programms (1671) explizit von der naturhistorischen Tradition ab, indem er hervorhob, dass das bisherige Wissen in diesem Bereich unzulänglich sei und auf falschen Voraussetzungen und Methoden beruhe. Dies galt insbesondere für die Klassifikation und Systematisierung von Pflanzen, die Malpighi gerade aufgrund seiner eigenen, ausufernden Untersuchungen als ein unmögliches Unterfangen ansah.87
Im Vorgehen unterschieden sich diese Studien von De bombyce insofern, als sich Malpighi in der Auswahl der Objekte deutlich weniger einschränkte. Dementsprechend entwickelten sich die Untersuchungen jedoch zu einem weitläufigen Langzeitprojekt.88 Ferner wurde der medizinische Einfluss jetzt nicht mehr nur auf der methodisch-technischen Ebene erkennbar, sondern auch in der thematischen Ausrichtung der Beobachtungen: Malpighi bemühte sich von der inneren Struktur der Pflanzen auf Körperprozesse wie Nahrungsaufnahme und -verteilung oder Atmung zu schließen, und Pflanzengallen oder Schwellungen wurden als Krankheiten der Gewächse interpretiert.89 Dennoch handelte es sich auch in diesem Fall zu weiten Teilen um eine Entwicklungsgeschichte, denn im Mittelpunkt standen erneut die Aspekte Wachstum und Fortpflanzung. Hierzu wurden Untersuchungen sowohl an den Stämmen verschiedener ausgewachsener Pflanzen als auch an den Knospen, Blüten, Samen und den in ihnen enthaltenen „Samen-Pflanzen“ (plantulae seminales) in verschiedenen Stadien durchgeführt.90
Obwohl Malpighi die Ergebnisse seiner Forschung in thematisch mehr oder weniger voneinander abgegrenzten Einzelabhandlungen veröffentlichte, waren die verschiedenen Beobachtungen für ihn doch durch Analogien miteinander verbunden. Wie auch Hooke
Die in der Folgezeit ausgearbeiteten Studien folgten diesem neuen Konzept aber nur bedingt: Die Texte maßen den neuen Fragestellungen letztlich wenig Bedeutung bei, sondern stellten weiterhin die auf Anatomie und Wachstum ausgerichtete Untersuchung einzelner Pflanzenteile in den Mittelpunkt. Einige der neuen Themen wurden sogar überhaupt nie wieder erwähnt, dafür kamen andere Fragen hinzu, die jedoch wiederum hinter die ursprünglichen Ziele Grews zurückgestellt wurden: So schlossen sich in der Anatomy of Roots (1672/1673) an einen deskriptiven Teil erneut Überlegungen zu Wachstum, Ernährung, Funktionen der inneren Strukturen an, die diesmal allerdings enger miteinander verwoben wurden. Die gleichen Themen finden sich auch in der Anatomy of Trunks (1673/1674) und der Anatomy of Leaves, Flowers, Fruits and Seeds (1676/1677).95 Den neueren Themen räumte Grew hingegen nur jeweils in einer der Schriften Raum ein: Im Zusammenhang mit den Wurzeln widmete er sich einer Untersuchung der Pflanzensäfte, im Anschluss an die Untersuchung der Stämme finden sich Ausführungen zur Stabilität von Holz, und aufbauend auf die Studien an Blättern und Blüten folgt zumindest der Versuch, Prinzipien für eine neue Systematik der Pflanzen aufzustellen.96 Die Entwicklung eines neuen kontextuellen Rahmens anstelle traditioneller naturhistorischer Konzepte war also dem Anschein nach am spezifischen Verlauf der Beobachtungen selbst gescheitert, auch wenn ironischerweise gerade deren Eigendynamik ein derartiges Vorhaben zuerst als sinnvoll hatte erscheinen lassen. Gerade in der Nicht-Ausführung dieser Ideen zeigt sich also, wie stark konzeptionelle Überlegungen im Fall der Mikroskopie den Beobachtungen untergeordnet waren: Sowohl die traditionellen, naturhistorischen Konzepte als auch die neuen, eigenen Pläne schienen schließlich unbrauchbar für das Studium der Pflanzen.
Trotz dieser Annäherung an Malpighi
Auch wenn Swammerdam also seine Beobachtungen ebenfalls in einen heterogenen Kontext stellte, war dieser doch keine bloße Kopie der Ideen Malpighis
2.2.6 Analogien, Kritik und neue Objekte
Ähnliches kann auch für Leeuwenhoeks Untersuchung zur Fortpflanzung von Insekten festgesellt werden: Direkte Bezüge auf die Forschung anderer finden sich zum einen erst verhältnismäßig spät, zum anderen waren diese auch dann kaum echte Impulsgeber für neue Beobachtungen.106 Ausnahmen waren diesbezüglich nur die Wiederaufnahme der Beobachtungen von Muscheln als Reaktion auf die spontanistischen Ausführungen von Filippo Buonanni
Während sich Leeuwenhoek für seine Beobachtungen hinsichtlich der Fortpflanzung von Lebewesen also wiederum kaum auf andere Forscher bezogen hatte, wurden seine eigenen Untersuchungen und Überlegungen nun zunehmend zum Gegenstand der Diskussion, wodurch sich einerseits der Abstand zwischen ihm und anderen Forschern eher vergrößerte, andererseits aber auch neue Beobachtungen angeregt wurden: So wird eine Vielzahl von spöttischen Bitten oder Herausforderungen angesichts seiner Opposition zur Generatio spontanea erwähnt, deren Urheber in der Regel aber nicht namentlich genannt wurden.111 John Hoskins
Dieser große Abstand zur naturhistorischen Tradition und zu zeitgenössischen Entwicklungen lässt sich auch in Leeuwenhoeks Arbeiten zur Pflanzen-Anatomie erkennen. Zwar ist vereinzelt behauptet worden, dass sich in diesem Zusammenhang eine Inspiration durch Hooke
Auch bei der Frage der Fortpflanzung von Pflanzen spielten Analogien eine zunehmend wichtige Rolle: Von 1674 bis 1677 blieben Leeuwenhoeks Beobachtungen an Samen zum größten Teil deskriptiv, dann folgte eine deutliche Zäsur.116 Nachdem er die Idee entwickelt hatte, dass die Animalcula in der männlichen Samenflüssigkeit eine zentrale Rolle im Fortpflanzungsprozess spielten, stellte er sogleich eine Analogie zwischen ihnen und den Samen von Pflanzen auf und ließ 1685 schließlich Untersuchungen folgen, in denen beide Objekte in engem Zusammenhang miteinander studiert wurden. Von diesem Zeitpunkt an fielen die Beobachtungen der Pflanzensamen einerseits ungleich detaillierter aus als zuvor, andererseits wurden Analogien zur Fortpflanzung anderer Lebewesen fast zu einem zwingenden Bestandteil von Leeuwenhoeks Ausführungen.117
Ähnlich wie bei den Insekten waren Leeuwenhoeks Untersuchungen aber auch bei den Pflanzen zusätzlich dadurch geprägt, dass sie Kritik an fremden Beobachtungen übten: Nachdem die Weiterführung von Beobachtungen in diesem Bereich zunächst durch Anfragen von Henry Oldenburg
In der Zwischenzeit wurde der Abstand zwischen Leenwenhoek und anderen Forschern, die sich mit naturhistorisch relevanten Themen beschäftigten, auch dadurch vergrößert, dass in seinen Beobachtungen zunehmend Objekte eine Rolle spielten, die erst mit dem Mikroskop sichtbar wurden und deren Erforschung von vornherein abseits der Traditionen stand. Vor allem mikroskopische Lebewesen oder Animalcula (diertgens) tauchten unerwartet in Beobachtungen auf, die sich eigentlich mit ganz anderen Objekten beschäftigten und auf Fragestellungen aus verschiedenen Kontexten basierten: Zuerst bemerkte Leeuwenhoek diese Lebewesen bei der Untersuchung eines verfärbten Sees 1674, also im weitesten Sinne in einem naturhistorischen Zusammenhang. Nach mehreren Ankündigungen folgten aber erst im Oktober 1676 ausführliche Beobachtungen, die allerdings Versuche mit einer Luftpumpe und Untersuchungen von Gewürzen als Ausgangspunkte hatten, also Themen die eher den Bereichen Naturphilosophie und Medizin zugeordnet worden wären.121
Aufgrund ihrer geringen Größe und ihres fremdartigen Aussehens sah Leeuwenhoek zunächst die Notwendigkeit, eine detaillierte Beschreibung der verschiedenen Animalcula anzufertigen, die er in verschiedenen Wässern und Gewürzinfusionen gefunden hatte. Eine den naturhistorischen Konventionen entsprechende Nomenklatur hätte hierfür erst erarbeitet werden müssen, und es ist sowohl fraglich, ob Leeuwenhoek überhaupt mit derartigen Systemen vertraut gewesen ist, als auch, ob ein derartiges Unternehmen zu diesem Zeitpunkt schon sinnvoll beziehungsweise überhaupt durchführbar gewesen wäre.122 Aber auch Zeichnungen, wie sie sonst seinen Briefen beilagen, fehlten in den ersten Jahren bemerkenswerterweise, so dass es nahe liegt anzunehmen, dass Leeuwenhoek angesichts der Fremdheit und Neuigkeit seiner Beobachtungen bewusst auf besonders einfache Mittel zurückgriff und es bei einer detaillierten sprachlichen Beschreibung beließ. Selbst auf eine provisorische Benennung wurde verzichtet, was mit sich brachte, dass Bezüge zwischen verschiedenen Animalcula nur unter erschwerten Bedingungen hergestellt werden konnten.123 Ergänzt wurden diese Beschreibungen durch Berechnungen der Größe und Anzahl der Animalcula; also einen mathematischen Zugriff auf die Objekte, welcher aus einer naturhistorischen Perspektive heraus ebenfalls ungewöhnlich war.124
Tatsächlich mussten sich Leeuwenhoeks Beobachtungen aufgrund der ungewöhnlichen Formen und Strukturen der Animalcula aber auch mit Fragen beschäftigen, die sich in ihrer Grundsätzlichkeit deutlich von den Untersuchungen seiner Zeitgenossen unterschieden. Einige seiner Korrespondenten bezweifelten nämlich, dass es sich bei ihnen wirklich um Lebewesen handelte. Dementsprechend zeigte sich Christiaan Huygens
2.2.7 Zusammenfassung
Nachdem von Seiten naturhistorischer Forscher offenbar zunächst nur ein geringes Interesse an mikroskopischen Beobachtungen bestanden hatte, folgten schließlich erste Untersuchungen, welche jedoch auf einzelne Detailfragen beschränkt waren, die vornehmlich als Ergänzung des naturhistorischen Wissensbestandes beziehungsweise als Fortsetzung der Tradition mit neuen Mitteln verstanden wurden. Mit zunehmender Länge der Beobachtungen wurde das Verhältnis zwischen Tradition und neuen Beobachtungen jedoch immer stärker strapaziert, und die Forscher unterließen es zunehmend, ihre Untersuchungen auf die Naturgeschichte zu beziehen. Thematiken, die traditionell in den Kontext der Naturgeschichte gehörten, wurden also aus diesem gewissermaßen herausgelöst. In einer ganzen Reihe von unabhängigen Fällen entstand in Folge mithilfe von Perspektiven und Techniken aus anderen Bereichen ein neuer, eher heterogener Kontext für die Beobachtungen, der sich besonders dadurch von der naturhistorischen Tradition abhob, dass Objekte in ihm primär durch Ähnlichkeiten und Analogien zueinander in Bezug gesetzt wurden.
In einer späteren Phase, in der wiederum Umfang und Länge der Untersuchungen merklich ausgedehnt wurden und die Beobachtungen stärker auf einzelne Objekte spezialisiert wurden, folgte dann sowohl inhaltlich als auch methodisch eine explizite Abwendung von der naturhistorischen Tradition. Während die Suche nach Analogien zwischen Objekten weiterhin ein zentrales Anliegen blieb, wurden nun auch verstärkt die Beobachtungen anderer Forscher, die mit den eigenen kritisch verglichen wurden, zum neuen Bezugspunkt. Allerdings wurde ein wirklicher Austausch zwischen den Forschern dadurch erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht, dass jeder von ihnen seine Beobachtungen den individuellen Einflüssen und Gegebenheiten entsprechend anders ausrichtete.
2.3 Medizin
2.3.1 Die neue Anatomie
Die Medizin unterschied sich als Kontext von der Naturphilosophie und der Naturgeschichte dadurch, dass sie eine institutionalisierte Disziplin darstellte, zu der auch eine geregelte Ausbildung in Form eines Universitätsstudiums gehörte. Zudem fiel hier die Verwendung des Mikroskops mit einem grundlegenden Wandel des Kontextes selbst zusammen, denn über Anleihen aus der Naturphilosophie entstand etwa zur gleichen Zeit ein neues Konzept von Anatomie, das weniger den Bezug zur medizinischen Praxis in den Vordergrund stellte, sondern eine auf Ursachen gerichtete Forschung vorsah.127 Dementsprechend knüpften die Forscher, die selbst eine medizinische Ausbildung durchlaufen hatten, in ihren mikroskopischen Beobachtungen an eine der naturphilosophischen Schulen an, immer aber wurde Mikroskopie als eine neue, von traditionellen Vorgehensweisen abgegrenzte Methode präsentiert. Darüber hinaus lag vielen Beobachtungen die Idee zugrunde, dass in der Anatomie aller Lebewesen eine gewisse Uniformität bestünde und Beobachtungen an verschiedenen Objekten somit aufeinander übertragen werden könnten. In den späteren Phasen begannen sich dann diese Untersuchungen, wie bereits erwähnt, zunehmend mit den Thematiken zu überlappen, die ursprünglich dem naturhistorischen Bereich entstammten. Neue Themenfragen wurden vor allem von Außenseitern eingebracht, dann aber kaum von anderen Forschern aufgegriffen und weiterentwickelt. Ebenso blieben skeptische Äußerungen gegenüber mikro-anatomischen Beobachtungen in der Regel ohne weitreichende Auswirkungen.
William Harvey
Ein weiteres, nicht minder einflussreiches Themengebiet folgte 1651 mit den Exercitationes de generatione animalium, in denen Harvey Untersuchungen an Hühnereiern beschrieb. Mithilfe des Mikroskops war es ihm hierbei gelungen, bereits am Ende des dritten Tages des Brütens erste Anzeichen von Leben zu erkennen: Ein Punkt, der rhythmisch auftauchte und verschwand, wurde von ihm per Analogieschluss als schlagendes Herz interpretiert, ferner wurde der gesamte Prozess der Formbildung als Ausprägung einer plastischen Kraft der Natur verstanden. Hierbei stellten entsprechende Beobachtungen bei Aristoteles, welcher dieses Phänomen ohne Mikroskop erst einige Stunden später erkennen konnte, für Harvey wiederum einen wichtigen Bezugspunkt dar.130 Darüber hinaus berichtete Harvey mit Beug auf das Mikroskop nur noch davon, dass die sich bildenden Knochen des Foetus mit ihm ebenfalls schon früher sichtbar wurden.131
Beide Abhandlungen überschnitten sich insofern, als das Herz in beiden eine zentrale Rolle einnahm. Sie glichen sich darüber hinaus aber auch darin, dass mittels des Mikroskops in erster Linie die Anwesenheit eines Organes nachgewiesen werden sollte: Scheinbar wurden weder die Herzen der verschiedenen Lebewesen, die Harvey untersucht hatte, hinsichtlich ihrer Struktur studiert, noch wurde der Foetus eingehender untersucht, sobald er eine Größe erreicht hatte, in der er auch mit bloßem Auge sichtbar war.132
Nathaniel Highmore
Beide Forscher hatten also, ausgehend von jeweils einer philosophischen Schule, Mikroskope verwendet, um die Beobachtungen, die sie im Kontext neuer anatomischer Forschung durchführten, auf Bereiche auszudehnen, die mit bloßem Auge nicht zugänglich waren, um somit zu zeigen, dass auch dort die gleichen Prinzipien galten wie im Sichtbaren.
2.3.2 Neue Themen
Athanasius Kircher
Hinsichtlich der Fragen von Zeugung und Blutkreislauf wiederholte Borel allerdings wiederum hauptsächlich das, was bereits von seinen Vorgängern gesagt worden war, vermischte dabei aber die entsprechenden Beobachtungen, die an Insekten vorgenommen wurden, mit naturhistorischen Inhalten.141 Neu war dagegen die Idee, die Strukturen einzelner Organe zu beschreiben, um deren Funktion besser zu verstehen, also wirklich Anatomie auf mikroskopischer Ebene zu betreiben. Die entsprechende Passage ist jedoch sehr kurz gehalten und reduziert letztlich Herz, Hoden, Leber und Lunge und alle weiteren Parenchymata auf die gleiche Struktur. Wie in anderen Fällen stellte Borel auch hier einen engen Bezug zwischen seinen Beobachtungen und dem Atomismus her: Die Strukturen in den einzelnen Organen bestünden in erster Linie aus Poren, die in ihrer Form den Atomen der einzelnen Körperflüssigkeiten entsprächen.142
Anders als seine Vorgänger hatte Borel also zum einen den praktischen medizinischen Wert mikroskopischer Beobachtungen betont, zum anderen hatte er anders als Kircher
2.3.3 Zweifel an mikro-anatomischen Strukturen
2.3.4 Malpighi: Ausweitung der mikroskopischen Anatomie
Nachdem die Neigung der Mediziner zu bestimmten philosophischen Schulen zunächst ein charakteristisches Merkmal für ihre mikroskopischen Beobachtungen dargestellt hatte, war die Entwicklung neuer Forschungsfragen vor allem durch den Außenseiter Kircher
Die Funktionen der einzelnen Organe zu bestimmen war jedoch nicht immer ohne Probleme möglich: In seiner ersten Schrift, den zweiteiligen De pulmonibus observationes anatomicae (1661), sah sich Malpighi noch dazu gezwungen, seine eigenen Überlegungen, denen zufolge die Lunge zum Durchmischen des Blutes dienen sollte, an die Vorstellungen seines Mentors Borelli
Zusätzlich zu den Untersuchungen zu Organfunktionen griff Malpighi später aber auch Harveys
Wie bereits erwähnt wandte sich auch Malpighi, nicht zuletzt aufgrund seines Kontaktes zur Royal Society, phasenweise Untersuchungen zu, die eher einen naturhistorischen als medizinischen Hintergrund hatten und sich unter anderem dadurch abgrenzten, dass sie den Fokus stärker auf Prozesse legten: Seine Studien zur Seidenraupe hatte nur noch wenig mit den Insekten-Beobachtungen Harveys
Auch die Thematik der Krankheiten, deren mikroskopische Diagnose sich ja bei Kircher und Borel zumindest als Idee fand, spielte in Malpighis Forschung eine ganz andere Rolle: Die Untersuchung von krankhaften Organen war zwar ein wichtiger Bestandteil seiner Beobachtungen, diese zielten jedoch nicht so sehr darauf ab, mehr über die Krankheiten zu erfahren, sondern sollten die Strukturen dieser Organe anhand von Schwellungen noch besser ermitteln können. Zum zentralen Aspekt wurde dieses Vorgehen in der De polypo cordis dissertatio (1666) gemacht, indem ausgehend von Herzpolypen auf die Beschaffenheit des Blutes geschlossen wurde.158 Der Versuch, Körperflüssigkeiten in ihrem Normalzustand mit dem Mikroskop zu untersuchen, war hingegen laut einer Bemerkung in De viscerum structura gescheitert.159
Malpighi hatte also eine insofern mit seinen Vorgängern gebrochen als er eine lange Reihe spezialisierter Einzeluntersuchungen zur mikroskopischen Anatomie durchgeführt hatte. Hierbei wurden zwar einige eher traditionelle Themen wieder aufgegriffen, allerdings waren naturphilosophische Konzepte weniger von Bedeutung als Analogien zwischen verschiedenen Objekten und die Eigendynamik der Untersuchungen.
2.3.5 Leeuwenhoeks Weg zur Kritik
Die Samenflüssigkeit war von diesen Beobachtungen zunächst ausgeschlossen: Auch wenn Oldenburg
Einerseits stellten diese Überlegungen eine Verbindung zu Leeuwenhoeks Forschung bezüglich der Fortpflanzung von Insekten und anderen Lebewesen her, und motivierten somit zu weiteren Beobachtungen und zu Analogien zwischen den verschiedenen Objekten. Andererseits sah sich Leeuwenhoek nun aber auch dazu veranlasst, einen zunehmenden Anteil seiner Briefe für argumentative Zwecke zu verwenden. Dabei widersprach er immer vehementer den Ansichten seines anfänglichen Gönners de Graaf
Ein weiterer zentraler Unterschied zu Kircher
In ähnlicher Weise hingen auch Leeuwenhoeks Beobachtungen zu verschiedenen Krankheiten und Gebrechen zumeist direkt mit ihrem Auftreten in seinem unmittelbaren Umfeld oder bei ihm selbst zusammen.170 Medikamente wurden hingegen zumeist ohne einen derartigen Anlass untersucht, die Beobachtung ihrer Zusammensetzung und ihrer Wirkung auf das Blut glich allerdings den Untersuchungen einiger anderer Objekte.171
Auch bei seinen Untersuchungen der Mikrostrukturen von Organen ging Leeuwenhoek anders vor als seine Vorgänger oder Zeitgenossen: In den meisten entsprechenden Berichten sagte er nichts über die Funktionsweise der jeweiligen Körperteile aus, sondern begnügte sich vor allem in seinen frühen Briefen damit nachzuweisen, dass die untersuchten Organe aus Globuli bestünden. In einigen Fällen wurden diese Beobachtungen zwar später korrigiert, dennoch lässt sich weiterhin die Tendenz dazu erkennen, Organe auf mikroskopische Elemente zu reduzieren.172 In den Untersuchungen, welche er dagegen im Zusammenhang mit seiner bereits früh entwickelten Vorstellung einer rein mechanischen Verdauung erwähnt hatte, wurde der Fokus bemerkenswerterweise eher auf Beobachtungen an der verdauten Nahrung als am Magen oder an angrenzenden Organen gelegt.173
Die Frage nach dem Blutkreislauf als universellem Prozess wurde ebenfalls aufgegriffen, aber wiederum auf andere Weise untersucht als bei Harvey
Trotz seines Kontaktes zu mehreren Medizinern und der Rolle, welche diese für seine Beobachtungen zuweilen spielten, hatte Leeuwenhoek also seine Beobachtungen in erster Linie an eigenen Überlegungen ausgerichtet, die oft in engem Zusammenhang mit seinem Umfeld standen. Dabei war er schließlich zu Ansichten gelangt, die in mehreren Fällen in Widerspruch zur gängigen Lehrmeinung und auch zu den Standpunkten seiner früheren Förderer standen.
2.3.6 Zusammenfassung
Auch wenn sich die Medizin durch ihre Institutionalisierung als möglicher Kontext von der Naturphilosophie und -geschichte unterschied, lässt sich doch auch hier feststellen, dass sich das Mikroskop zunächst nur zur Untersuchung einiger weniger, sehr eng gefasster Themen etablierte. Dabei spielte zunächst der Bezug zu bestimmten naturphilosophischen Lehren eine wichtige Rolle. Spätere, ausführlichere Beobachtungen folgten dann einer erweiterten Thematik und wiesen eine gewisse Heterogenität in philosophischer Hinsicht auf. Daneben fällt auf, dass neue Themen trotz ihrer medizinischen Relevanz vor allem von Außenseitern in die Beobachtungen eingebracht wurden, allerdings nicht von anderen Forschern aufgegriffen wurden, ebenso wie die Skepsis, die zwischenzeitlich an mikro-anatomischen Beobachtungen geäußert wurde, keinen Einfluss auf die Weiterführung entsprechender Beobachtungen hatte.
Auffällig ist zudem, dass die Beobachtungen die gleiche Verwandlung durchmachten wie in Bezug auf andere Kontexte: Nachdem mikroskopische Untersuchungen als Beobachtungsmethode für bestimmte Fragen etabliert waren, folgten über längere Zeiträume durchgeführte, eher explorative Untersuchungen, die in erster Linie einer gewissen an den Objekten und an Analogien ausgerichteten Eigendynamik folgten und weniger eng in einen Kontext eingebunden wurden. Im Zuge dieser Entwicklung wird auch besonders deutlich, wie distanziert Leeuwenhoeks
Der Einfluss der traditionellen Kontexte, in welche die Wissenschaftsgeschichte die frühen mikroskopischen Beobachtungen normalerweise einordnet, erweist sich also, wenn man die Beobachtungen selbst zum Ausgangspunkt nimmt, als eher gering: Sowohl in der Naturphilosophie als auch in Naturgeschichte und Medizin lässt sich eine anfängliche Zurückhaltung gegenüber dem Mikroskop erkennen. Umfangreiche Beobachtungen begannen bemerkenswerterweise in dem Moment, als Forscher anfingen, sich weniger stark auf diese Kontexte zu beziehen, sondern stattdessen Fragestellungen aus verschiedenen Bereichen miteinander zu vermischen. Was bedeutet dies nun hinsichtlich der Frage nach möglichen Beobachtungsstilen? Eine gemeinsame Tradition im engeren Sinn, auf welche sich die Forscher hätten beziehen können, gab es allen Anschein nach nicht. Vielmehr ging die Positionierung der Untersuchungen zwischen den etablierten Kontexten mit einem erkennbaren Mangel an übergeordneten Leitlinien einher, der sich vor allem darin manifestierte, dass die Beobachtungen sich zunehmend nach Fragestellungen ausrichteten, die aus den Untersuchungen selbst erwuchsen und in vielen Fällen mit der besonderen Rolle zusammenhingen, die Analogien zwischen den Objekten für die Forscher spielten.
Fußnoten
„Primi generis sunt [...] ea quae nuper inventa sunt perspicilla; quae latentes et invisibiles corporum minutias, et occultos schematismos et motus (aucta insigniter specierum magnitudine) demonstrant [...] Democritus, exiluisset forte, et modum videndi atomum (quem ille invisibilem omnino affirmavit) inventum fuisse putasset. Verum incompetentia hujusmodi perspicillorum, praeterquam ad minutias tantum (neque ad ipsas quoque, si fuerint in corpore majusculo), usum rei destruit. Si enim inventum extendi posset ad corpora majora, aut corporum majorum minutias, [...] magnae procul dubio ex eo invento commoditates capi possent“ (Novum Organon (1620), Lib. II, Aph. 39; zitiert nach: Bacon (1996, 11.342–344)).
„Prenda egli qualsivoglia materia, o sia pietra, o sia legno, o sia metallo, e tenendola al Sole, attentissimante la rimiri, ch'egli vi vederà tutti i colori compartiti in minutissime particelle, e s'ei si servirà per riguardargli d'un Telescopio per veder gli oggetti vicinissimi, assai più distintamente vederá quant'io dico“ (Galilei 1890–1909, 6.290). Zum Stellenwert des Mikroskops in Galileis Forschung siehe Lüthy (1995, 216–225).
„[Je] les juge toutes fois beaucoup plus vtiles, a cause qu'on pourra voir par leur moyen les diuers meslanges & arrengemens des petit parties dont les animaus & les plantes, & peutestre aussy les autres cors qui nous enuirronnent sont composés, & de là tirer beaucoup d'auantage pour venir a la connoissance de leur nature. Car, desia selon l'opinion de plusieurs Philosophes, tous ces cors ne sont faits que des parties des elemens diuersement meslées ensemble; & selon la miene, toute leur nature & leur essence, au moins de ceux qui sont inanimés, ne consiste qu'en la grosseur, la figure, l'arrangement, & les mouuements de leurs parties“ (Descartes 1964–1986, 6.226–227).
„La pluspart des petit corps regardez auec des lunettes paroissent transparens, pour ce qu'ils le sont en effet; mais plusieurs des ces petits corps mis ensemble ne sont plus transparens, pour ce qu'ils ne sont pas joints ensemble également, & le seul arrengement des parties, estant inegal, suffit pour rendre opaque ce qui estoit transparent [...]“ (Descartes 1964–1986, 1.109; s.a. 2.177).
Wilson (1995, 20–21, 97); Ruestow (1996, 61–68).
Bezüglich des Acarus, der damals als das kleinste Lebewesen galt, siehe bspw. Gassendi (1658, 1.270a; 2.388; 3.456b-457b) und die Erläuterungen von Lüthy (1995, 276–281). Ähnlich wie bei Syrones handelt es sich um einen Begriff, unter den aus heutiger Perspektive insbesondere verschiedene Arten von Milben fallen. Zu den weiteren Phänomenen zählen der Schmerz beim Urinieren durch das Vorhandensein von Partikeln im Urin, auf die er wahrscheinlich von Peiresc aufmerksam gemacht wurde (Gassendi (1658, 2.115b, 560a; 5.306a); Peiresc (1888–1896, 3.465)), und das Jucken nach dem Berühren von schlechtem Käse (Gassendi 1658, 2.463a, 560a).
„Si permiseris nempe aquam salsam ad solam evaporari, relinquetur Sal totum conformatum in figuras cubicas [...] Quódque adhuc sit mirum, observare licet grandiores cubos conformatos ex minoribus, istosque ex aliis adhuc minutioribus [...] Ex quo profectò intelligitur, illos quoque, quos memoravi, insensibileis cubulos contexi ipsos adhuc ex aliis, & istos rursùs ex aliis, donec perveniatur ad exilitatem nisi Atomorum, saltem molecularum quasi seminearum, ex quibus Salis natura constet [...]“ (Gassendi 1658, 1.271a). S.a. ebd. (1.268b–269a) und Peiresc (1888–1896, 4.538).
So zumindest die Interpretation von Fisher (2005, 351–354), die sich hauptsächlich auf folgende Textstelle gründet: „Seulement ne puis-je pas me tenir de vous dire que je justifie tousjours quelqu'une de mes anciennes resveries touchant les principes de la philosophie d'Epicure“ (Peiresc 1888–1896, 4.538).
„Fortassis verò hanc quoque historiam perjucunde accipies, quod nix ista videatur unum ex iis naturae miraculis, quae pulcherrime disquisita possint Meteorologiam maximopere illustrare. [...] De causis aliàs, si videbitur“ (Mersenne 1945–1988, 2.197–199).
„[...] ita possit fortè aliquando Engyscopium sic perfici, ut illa de quibus loquimur, principia [...] ex quibus causae tot effectorum, quae iam obstupemus, reddantur, perinde demonstret: attamen utcumque nihil sit desperandum de humani ingenii sagacitate, solertia, industria [...]“ (Gassendi 1658, 2.560a).
Lüthy (1995, 275–291; Zitat 289).
Die bisherige Kontextualisierung von Kirchers Mikroskopie bezieht sich vor allem auf seine Ars magna lucis et umbrae (1646) und das Scrutinium pestis (1658) und betont dementsprechend optische und medizinische Fragen (Belloni (1985); Wilson (1995, 155–159, 192–193, 200)); Fournier (1996, 26, 35, 154); Ruestow (1996, 37–38, 82–83, 188, 201, 262–263).
„Haec autem dum affero, nemo sibi persuadeat velim, me Democriti sententiam de atomis hoc loco tenere, [...] cum impossible sit de polymorphis Democritorum corpusculis, ex quibus omnia constare docuit, veram physicae scientiae normam concinnare, cum sensibus repugnent, & nihil aliud sint, quam otiosa hominum maleferiatorum sigmenta: Aliud de nostris particulis statuendum est, haec enim verè in dissolutione corporum Spagyrica ars manifesta facit, ita non negari possit, quod sensibus adeò obvium est: Accedit & Smicroscopium, cujus solius ope que prius insensibilia latebant, in apertam lucem jam sensibus obvia educuntur & demonstrantur [...]“ (Kircher 1665, 2.397b).
Vgl. hierzu die Beschreibung kristalliner Strukturen im Mundus subterraneus (Kircher 1665, 2.25b). Laut einem im Anschluss geschilderten Experiment zeichnet sich die Form einer Pflanze im Mikroskopischen wieder ab, wenn ihre Asche mit Wasser vermischt und gefroren wird (ebd. 2.26–27). Anmerkungen zu den Formen von Rizinusblättern (Kircher 1646, 834) sind vielleicht ebenfalls in dieser Richtung zu deuten. Diese wurden später von Borel aufgegriffen (s.u. S.
„Certe multa corpora omni vita & anima destituta, hucusq[ue] creditu[m] est, qu[ae] tamen dioptica vivere deprehendit. Quis credere posset acetu[m], & lac innumerabili multitudine vermiu[m] scatere, nisi id smicroscopia ars hisce ultimis temporibus summa omnium admiratione docuisset? [...] Omitto hic quammulta [...] de sanguine febrentium verminoso, aliisque innumeris hucusque omnibus Medicis incognitis, & à nemine Medicorum penetratis, cognosci possint. Videbis non animalia tantum, sed & singulas herbas sua naturalia proferre animalia, ex putrefacto eius humore tanquam semine pullulantia, nullumque esse muscarum, aut aerucarum genus, quod non aliquam matrem ex dictis rebus agnoscat“ (Kircher 1646, 834). Vgl. ähnliche Stellen im Mundus subterraneus (1665, 2.25, 27, 352, 357, 363, 366, 370–371). Wie das obige Zitat nahelegt, bezieht sich ein nicht unerheblicher Teil der Beobachtungen zugleich auf medizinische Fragen (s.u. S.
Kircher (1646, 85) zufolge nähmen auf der Erde lebende Tiere über ihre pflanzliche Nahrung vor allem Wasser auf, Vögel hingegen zusätzlich Luft. Demzufolge hätten sie eine höhere Vielfalt an Farben. Im Rahmen der mikroskopischen Beobachtungen wird lediglich auf die Farbe von Pflanzenblättern eingegangen (ebd. 834).
„Te Lector, scire velim, crystallina corpora vitreaque non secus ac caetera omnia mixta mineralium corpora suis corporibus Salino-mercurialibus constare, cum vitrum ex cineribus sale turgeidis, crystallinorumque corporum, salium videlicet, quorum nullum est, quod non diaphanum sit, uti ex microscopio patet [...] Volucres sulphure & salibus turgere, inde constat, quod ex stabulis & columbariis ingens nitro caeterorumque salium copia extrahatur. [...] sed quomodo in pavonibus, anatibus & columbis tam varia, inconstans & mutabilis colorum varietas ad diversum lucis allapsum producatur, istius nemo, quod sciam, adhuc rationem veram & genuinam reddidit. Ego quid observavim, paucis aperiam, Ex frequenti hujusmodi pennarum, ope smicroscopii inspectione mihi innotuit, quod omnes illae pennae tanta colorum varietate radiantes, & in pavonibus caeterisque avibus conspicue nascantur, ex naturali pennarum constitutione, quarum filamenta Natura ita disposuit, ut & diaphanae sint, & in angulosam formam trigonis vitreis haud absimilem concinnae sint, que omnia smicroscopium luculenter demonstrat [...]“ (Kircher 1665, 2.15, 17). Diese Beschreibung dient, ähnlich wie eine frühere Version im Itinerarium extaticum dazu, die Eigenschaften von Salz als paracelsischem Element zu erläutern (Vgl. Schott 1660, 604–607). Zu Kirchers Verbindung zur Alchemie siehe Hirai (1985) und Rowland (2004, 194, 199–201).
„dici vix potest, in quantam inspectantis animum admirationem infinitae huiusmodi Dei omnipotentiae, sapientiae, & bonitatis quasi ludentis in orbe terrarum & maximam se, vel in minimis prodentis spectacula rapiant“ (Kircher 1646, 834). S.a. Ruestow (1996, 58). Das Mikroskop gehört für Kircher in den Bereich der Magia parastatica, d.h. der Darstellung wundersamer Naturdinge mittels Optik (Kircher 1646, 799). Bezüglich der magischen und hermetischen Aspekte von Kirchers Wissenschaft siehe Godwin (1988, 23) und Ebeling (2007, 60). Es liegt angesichts der oben erwähnten Ablehnung des Atomismus nahe, den Vergleich zur kosmologischen Kontroverse zu ziehen. Auch hier kehrte Kircher neueste wissenschaftliche Überlegungen so um, dass sie letztlich wieder für traditionelle, d.h. durch die katholische Kirche vertretene Ansichten, sprachen (Siebert 2006, 295–305).
Seine Beobachtung von Essig sah Borel (1656a) als Bestätigung von Descartes und Demokrit; hinsichtlich des Wassers meinte er hingegen Descartes zu bestätigen (ebd. LXXVII). Bezüglich der Erklärung der haptischen oder optischen Eigenschaften von Pflanzen anhand ihrer mikroskopischen Oberflächenstrukturen siehe ebd. (VI, XXIX, LXV, LXXXVI, LXXXVII, XCVIII). Gassendi wird lediglich in der Beobachtung einer Laus erwähnt (ebd. XI). Zur Beobachtung von Schnee, die keine derartigen Bezüge enthält, siehe ebd. (XCII).
„Microscopii inventum etiam insignia multa & notabilia jam nunc detexerit, & porrò deteget, quae argumenta subministrabunt, de animâ universi & partium ejus“ (Borel 1656a). In Borels kosmologischen Diskurs über die Vielzahl der Welten (Borel 1657) wurde das Mikroskop hingegen nicht erwähnt. Zum Handlesen siehe Borel (1656a). Erwähnt sei ferner der von ihm zusammengestellte Katalog hermetischer Bücher (Borel 1654).
Borel (1656a). In den ersten beiden Abschnitten wird auf Kircher unter dem Zusatz verwiesen, dass Borel bisher dessen Beobachtungen noch nicht bestätigen konnte. Als Ursache der Bildung von Schnee wurde hingegen eine Art Magnetismus vermutet (ebd. XCII).
Wie Kircher erwähnte Borel die Farben von Pfauenfedern und Zitronenblättern, nur im zweiten Fall verwies er explizit auf Kircher (Borel 1656a). Weitere Beobachtungen, in denen die Farbe der Objekte eine wichtige Rolle spielte, umfassten bei Borel Metalle, Insekten, Fische und verschiedene Pflanzen (ebd. XXII, XXXVI–XXXVII, LV, LXV, LXX). Zu beachten sind in diesem Zusammenhang auch seine Äußerungen hinsichtlich der körperlichen Natur des Lichtes (ebd. LXXII).
Zum „epistemischen Genre“ der Beobachtungssammlungen siehe Pomata (2011, 45–49, 57–64). Borel selbst hatte neben seinen mikroskopischen Beobachtungen vier Centuriae mit medizinischen Beobachtungen publiziert (Borel 1656b). Zu den naturhistorischen und medizinischen Einflüssen s.u. (S.
Zu den Beobachtungen siehe Boyle (1999–2000, 2.229, 273, 342; 13.229), zum Engyskop ebd. (10.237–238). Die Verbindung von Wahrnehmung und mikroskopischen Bildern wurde in späteren Schriften abermals erwähnt (ebd. 7.281, 12.399), ebenso die Frage nach den Eigenschaften bestimmter Stoffe wie Quecksilber, Diamanten und Mineralwässern (ebd. 5.314; 7.18; 10.237–238).
Boyle (1999–2000, 2.273; 4.40, 122).
Boyle (1999–2000, 4.35, 38–40, 52, 69, 104). Für spätere Bezüge auf mikroskopische Beobachtungen zum Thema Farbe siehe ebd. (6.9; 9.416).
Gassendi wurde im Zusammenhang mit der Struktur von Schnee und Eis kritisiert (Boyle 1999–2000, 4.69, 309–310) bevor Boyle über seine mikroskopischen Beobachtungen berichtete, welche die Veränderungen an Körperflüssigkeiten, Äpfeln, Zungen und Holz umfassten (ebd. 4.445–446). Dennoch hatten beide Forscher grundsätzlich eine ähnliche Vorstellung von Formbildung und führten ähnliche Untersuchungen von Kristallstrukturen durch (Emerton 1984, 43–44).
In Boyles erhaltenen Notizbüchern findet sich nur eine einzige Stelle, die sich eindeutig auf eine mikroskopische Beobachtung bezieht (Hunter, Michael und Alison Wiggins 2001, WD19, Entry 17). Tatsächlich nahmen auch die Verweise auf das Mikroskop in Boyles Schriften im Laufe der Jahre eher ab, denn schon 1685 erwähnte er, dass ihn eine Sehschwäche zur Aufgabe der mikroskopischen Beobachtungen gezwungen habe (Boyle 1999–2000, 10.237–238). Neben den o.g. Themen werden mikroskopische Beobachtungen aber noch im Zusammenhang mit Porosität, Finalursachen und spontaner Zeugung erwähnt, jedoch immer nur kurz (ebd. 10.110, 127; 11.100; 13.285).
Vgl. Lüthy (1995, 504–505, 510–511, 517). Power nannte Boyle „doubly Honourable (both for his parts and parentage)“ (Power 1664). Dass Powers Untersuchungen eng mit den Überlegungen Descartes' verbunden waren, geht ebenfalls aus dem Preface hervor, in dem einige Prinzipien der cartesianischen Naturphilosophie ausgeführt wurden. Allerdings traf auch Power keine scharfe Unterscheidung zwischen dessen Korpuskularphilosophie und dem Atomismus. Borel wurde hingegen neben anderen Medizinern hinsichtlich der von ihnen beschriebenen (bzw. angenommenen) Höhlung der Haare kritisiert (s.u. S.
Power (1664, 36, 42–45, 54). Bezüglich der Effluvia siehe die letzte Beobachtung (ebd. 57–58) sowie ein Experiment, innerhalb dessen sie indirekt mittels einer alternden Zwiebel nachgewiesen werden sollten (ebd. 29). Zur Farbenproblematik äußerte sich Power nur beiläufig (ebd. 42–43, 72).
Hooke schrieb im Juli 1663 an Boyle: „There is very little in Dr. Power’s microscopical observations but what you have since observed [...]“ (Boyle 2001, 2.98), s.a. Birch (1756–1757, 1.266). Da sich in der Experimental Philosophy aber eine beachtliche Menge Insektenbeobachtungen findet (s.u. S.
Die Abhandlung der Formen-Frage schreitet in den Beobachtungen XI–XIV von den einfacheren Formen von Sand zu komplexeren kristallinen Formen fort (Hooke 1665, 79–92). Dies entspricht dem Gliederungsprinzip der gesamten Micrographia (s.u. S.
Der naturphilosophische Bezug wird vor allem beim sog. Kettering-Stein offensichtlich, da sich an die Beobachtung direkt Überlegungen an die Ausbreitung des Lichtes anschließen, die Hooke als eine Bewegung in einem feinen Stoff verstand, welcher die Zwischenräume in Luft, Wasser und auch Glas durchdringen würde (Hooke 1665, 96–100). Die Schlussfolgerungen aus der Porosität von Holzkohle sind konkreterer Natur und betreffen einige Eigenschaften dieses spezifischen Stoffes (ebd. 102–103) sowie den Verbrennungsprozess selbst (ebd. 103–106).
Hooke (1665, 10–15). Das aus den Versuchen hergeleitete Prinzip wird dann auf die anfänglich erwähnte Beobachtungen zurück übertragen (ebd. 20–21).
„[...] this laminated body is more simple and regular then the parts of Peacocks feathers [...] the parts of this body are much more manageable, to be divided or joyned, then the parts of a Peacocks feather [...] we are able from a colourless body to produce several coloured bodies, affording all the variety of Colours imagineable [...]“ (Hooke 1665, 49). Zu den Körperfarben schrieb Hooke hingegen: „In the true ordering and diluting, and deepning and mixing, and fixing of each [tincture], consists one of the greatest mysteries of the Dyers; of which particulars, because our Microscope affords us very little information, I shall add nothing more at present [...]“ (Hooke 1665, 79).
Da die Farbringe an Muskovitplatten, welche den Ausgangspunkt für Hookes Ausführungen bilden, nicht die Reihenfolge des Regenbogenspektrums aufwiesen (Hooke 1665, 48), die in dem meisten anderen erwähnten Experimenten und Beobachtungen auftrat, musste Hooke seine Theorie zuletzt deutlich für diesen Einzelfall modifizieren, weil hier die von ihm verorteten Grundfarben Rot und Blau nicht an den äußeren Positionen der Farberscheinung lagen (ebd. 65–67). Heute werden beide Fälle als unterschiedliche Phänomene verstanden, die durch Refraktion oder Interferenz verursacht werden.
Hooke (1665, 95, 110–112, 130).
„we see by this Instance, how much Experiments may conduce to the regulating of Philosophical notions. For if the most Acute Des Cartes had applied himself experimentally to have examined what substance it was that caused that shining of the falling Sparks struck from a Flint and a Steel, he would certainly have a little altered his Hypothesis [...] whereas by not examining so far as he might, he has set down an Explication which Experiment do’s contradict“ (Hooke 1665, 46). Vgl. Descartes (1964–1986, 8/1.251–252). S.a. Lüthy (1995, 545–546).
Neben den o.g. Diskrepanzen trifft dies vor allem für die sechste Beobachtung zu, die sich mit Luftdruck bzw. der Kongruenz von Stoffen (Hooke 1665, 10–32) befasste, ferner für die Beobachtungen IX, X, XXXV und XXXVI, in denen es um die Ursachen von Farben ging (ebd. 35–36, 165–169), und auch für die Beobachtungen von einfachen Formen (i.e. XI und XII; ebd. 79–82). Vgl. hierzu die Übersicht zu Beobachtungen und Akademiesitzungen bei Harwood (1988, 124–125).
Harwood (1988, 129–130, 132). Dies führte zu einem entsprechenden Vermerk in der Widmung für die Royal Society: „You have been pleas’d formerly to accept these rude Draughts. I have since added to them some Descriptions, and some Conjectures of my own. [...] there may be some Expressions, which may seem more positive then Your Prescriptions will permit: And though I desire to have them understood only as Conjectures and Quaeries (which Your Method does not altogether disallow) yet if even in those I have exceeded, ’tis fit that I should declare, that it was not done by Your Directions“ (Hooke 1665).
Snelders (1982, 65–67), Fournier (1996, 87–88), Ruestow (1996, 183–184). Zentrales Moment dieser Interpretation ist eine Bemerkung über die Zusammensetzung der Luft aus drei Formen von Materie, die an Descartes' drei Elemente in den Principia philosophiae erinnert, sich aber eben nicht auf Materie im allgemeinen sondern nur auf Luft bezieht (vgl. Descartes (1964–1986, 8-1.105) und Leeuwenhoek (1939–1999, 1.56)). Dahingegen kritisierte Leeuwenhoek (1939–1999, 5.24–27) explizit die in Les Météores (Descartes 1964–1986, 6.233) beschriebene Form der Partikel von Wasser (in den Principia (ebd. 8-1.232) ist hingegen von zwei Arten Partikeln die Rede). Seine spätere Kritik an vermeintlichen Beobachtungen elementarer Korpuskel (Leeuwenhoek 1939–1999, 13.368–379) zeugt laut Lüthy (1996, 26) schließlich von einer Entwicklung hin zu einer insgesamt kritischeren Haltung gegenüber der Korpuskularphilosophie.
Schierbeek u. Roseboom (1959, 188) zufolge nahm Leeuwenhoek bereits 1685 Abstand von seiner Globulitheorie, weil sie letztlich seinen Beobachtungen widersprochen habe. Tatsächlich werden die Globuli, die nie ein feststehender Terminus waren, sondern Leeuwenhoeks aktuellem Sprachduktus angepasst wurden (Damsteegt 1982, 24), auch in seinen späteren Briefen fast durchgängig erwähnt. Dass Hooke für diese Überlegungen ein tatsächlicher Einfluss gewesen sein könnte, ist aufgrund von Leeuwenhoeks begrenzten Sprachkenntnissen eher unwahrscheinlich (Berkel 1982, 189).
Leeuwenhoek (1939–1999, 1.56–61, 336–339). Die kombinierte Verwendung von Luftpumpe und Mikroskop geht aus einer späteren Bemerkung hervor: „Inden Jare 1675 ontrent half September, besig sijnde met het observeren vande Lugt, wanneer ik die door het water seer geparst hadde, ontdecten ik levende schepselen in regenwater [...]“ — „In the year 1675 about mid-September being busy with studying air when I had much compressed it by means of water I discover’d living creatures in Rain water [...]“ (Leeuwenhoek 1939–1999, 2.64–65). Vgl. auch die ähnlich angelegten Beobachtungen von Cerumen (ebd. 11.16–21) und Blut (s.u. S.
Boyle hatte die Farbveränderungen einer Mischung aus Kupfer und Spirit of Salt (Salzsäure) unter Einfluss von Luft thematisiert (Phil. Trans. 10.1675, Nr. 120, 467–476, bes. 467–470). Leeuwenhoek (1939–1999, 2.44–59) untersuchte hingegen die sichtbaren Partikel einer Mischung aus Ammoniak und Kupfer; der Einfluss von Luft spielte keine größere Rolle für ihn. Diese Veränderungen im Versuch sind vielleicht dadurch zu erklären, dass Leeuwenhoek sich laut eigener Aussage diesmal mit einem Wörterbuch behelfen musste. Vgl. auch die Untersuchungen von 1703, in denen er ausgehend von einem Artikel von Robert Southwell (Phil. Trans. 20.1698, Nr. 243, 296) chemisches Experimentieren mit mikroskopischen Beobachtungen verband und dabei eine „Neigung“ von Partikeln zueinander feststellte (Leeuwenhoek 1939–1999, 14.182–213; bes. 190, 196, 204; ferner 15.114–123, 136–155). Allerdings hatte er bereits 1658 eine Sympathie ähnlicher Stoffe vermutet, um vergleichbare Phänomene zu erklären (ebd. 5.346–351).
Leeuwenhoek hatte 1674 gegenüber Oldenburg Salz als Beispiel dafür genannt, dass alle Materie aus Globuli zusammengesetzt wäre (Leeuwenhoek 1939–1999, 1.104–107, 156–159). Zuvor hatte er, etwas ausführlicher, auch Constantijn Huygens darüber geschrieben (ebd. 1.86). Kurz darauf folgten Ankündigungen für Beobachtungen zu Pflanzensalzen, die nahe legen, dass diese Untersuchungen zumindest zum Teil durch Oldenburg angeregt wurden (ebd. 1.184, 190–193, 232–255). Während Salz-Partikel in den folgenden Jahren eher im Zusammenhang mit medizinischen Fragen thematisiert wurden (ebd. 3.122–135; 4.28–37; S.u. S.
Im März 1675 schrieb er an Oldenburg: „UEdt segth, datter persoonen van groot Oordeel te parijs, en elders sijn, die niet toe en stemmen de globule, die ick veelderhande lichamen ontdect heb, jck ben daer gansch niet over becommert [...]“ — „You observe that people of great knowledge in Paris and elsewhere do not agree on the globules I have discovered in a great many bodies. I do not mind this at all“ (Leeuwenhoek 1939–1999, 1.278–279). Bereits im Januar hatte Christiaan Huygens passend dazu an Oldenburg geschrieben: „Je voudrois bien scavoir quelle foy on adjoute chez vous aux observations de nostre Monsieur Leeuwenhoek, qui convertit toute chose en petit boules. Pour moy apres avoir en vain taschè de voir certaines choses qu'il voit, je doute fort, si que ne sont pas des deceptions de sa vue, et encore plus, quand il pretend decouvrir les particules , dont l'eau, le vin et d'autres liqeurs sont composées, a quoy il a mandè a mon pere qu'il estoit occupè“ (Huygens 1888–1950, 7.400). Als Huygens 1688 durch ein Gespräch mit Leeuwenhoek eine Untersuchung verschiedener Baustoffe anregte (Leeuwenhoek 1939–1999, 7.280), erwähnte Leeuwenhoek bemerkenswerterweise seine Globulitheorie nicht, obwohl er seine frühen Beobachtungen von Kalk und eine Untersuchung von Ton auf diese bezogen hatte (ebd. 1.158–161).
Auf einen ersten, eher allgemein formulierten Vorschlag von Francis Aston erwiderte Leeuwenhoek im September 1683, dass er befürchte eine solche Untersuchung würde keine Ergebnisse liefern (Leeuwenhoek 1939–1999, 4.152). Als ihn Richard Waller im April 1693 etwas konkreter bat, Federn hinsichtlich ihrer Farben zu untersuchen, antwortete er, dass bisherige Beobachtungen in dieser Richtung erfolglos waren und beschränkte sich ansonsten auf ein paar kurze Bemerkungen zu den Federn seines Papageis und zu gefärbten Textilien (ebd. 9.206–209). Demnach hatte er sich also, entweder auf Astons Anfrage oder aus eigenem Antrieb, zumindest an diesem Thema versucht. Auf eine weitere diesbezügliche Anfrage von Waller im Januar 1694 reagierte er dann anscheinend gar nicht mehr (ebd. 9.349).
Ruestow (1996, 48–53).
In Mayhernes Widmungsbrief heißt es: „Atque adeo [...] si conspicilia ex Crystallo [...] sumas, miraberis Cataphractorum pulicum obscurè rubentem habitum [...] Imò ipsi Acari prae exiguitate indivisibiles [...] caput rubrum, & pedes quibus gradiuntur, ad solem prodent.“ Dahingegen schrieb Moffett im Haupttext über die Acari oder Syrones: „Syronibus nulla expressa forma [...] praeterquam globi: vix oculis capitur magnitudo tam pusilla, ut non atomis constare ipsum, sed unum esse ex atomis Epicurus dixerit. [...] Mirum est quomodo tam pusilla bestiola nullis quasi pedibus incedens, tam longos sub cuticula sulcos peragat“ (Moffett 1634, 266). Zur Publikationsgeschichte siehe Lüthy (1995, 188–189).
Zu diesem Programm siehe Miller (2005). Ferner erinnert eine Bemerkung Gassendis an die Morallehren der spätmittelalterlichen Naturgeschichte (vgl. hierzu Ogilvie 2006, 101–102): Peiresc hätte seinen ursprünglich eher aggressiven Charakter nach der Beobachtung eines Kampfes zwischen einer Laus und einem Floh gemäßigt (Gassendi 1658, 5.333b).
Das Manuskript dieses Berichtes wurde von Humbert (1951) transkribiert. Beschrieben werden verschiedene Milben und Läuse, eine Mücke, eine Spinne, ein abgetrennter Fliegenkopf sowie der erwähnte Münzabdruck. Peiresc griff auch später auf Linsen und Mikroskope zurück, um Schrift zu vergrößern, wie aus seinen Briefen (Peiresc 1888–1896, 5.67, 547, 321, 547–548) und seiner Vita (Gassendi 1658, 333b) ersichtlich ist. Für andere historisch motivierte Untersuchungen (ohne Mikroskop) siehe Miller (2005, 361–368).
Bezüglich der Beobachtungen von Peiresc siehe diverse Briefe zwischen 1622 und 1636 (Peiresc 1888–1896, 3.465, 477–478; 4.434–436; 6.28–30) sowie entsprechende Bemerkungen in seiner Biographie, denen Gassendi zuweilen auch naturphilosophische Kommentare angefügt hat (Gassendi 1658, 5.301a, 306a, 319a). 1636 erwähnte Peiresc dann verschiedene mikroskopische Beobachtungen im Zusammenhang mit seinen optischen Versuchen (Peiresc 1888–1896, 3.465), und auch sein Bericht über die Demonstration von 1622 wurde letztlich dem Manuskript zu optischen Fragen hinzugefügt (Humbert (1951, 154); Miller (2005, 371–372, Fn. 75, 80–82)).
Freedberg (2002, 152–153).
Cesi erwähnt Plinius hinsichtlich der äußeren Gestalt der Biene und bedauert sogar, dass dieser nicht bereits ein Mikroskop benutzen konnte (Galluzi, Paolo und Luigi Guierrini 2006). Aristoteles wird hingegen kritisiert, weil er den Bienen Ohren absprach, obwohl auch Cesi diese nicht beobachten konnte und auf ihr Hörvermögen nur indirekt schließt (ebd. Feld 31).
Siehe hierzu Galluzi u. Guierrini (2006), Stelluti (1630, 47, 51–54, 126–127) sowie die Erläuterungen bei Freedberg (2002, 160–163, 189). Dementsprechend wurde auch nicht behauptet, die mikroskopischen Beobachtungen des Kornkäfers wären den Beschreibungen bei Persius überlegen: „e quindi vedrassi come Persio habbia bene indovinato la sua forma, benche non credo sia stato da lui cosi minuramente osservato, come da noi con l'aiuto di detto Microscopio [...]“ (Stelluti 1630, 126). Insofern ist auch die Einschätzung von Freedberg (2002, 192) nicht zutreffend, dass sich der Persio tradotto hinsichtlich des rhetorischen Rückgriffs auf antike Autoren grundlegend vom Apiarium Cesis unterscheidet. Denn zwar wird in der Beschreibung der Biene nur kurz auf Aristoteles verwiesen (Stelluti 1630, 51), in der des Kornkäfers hingegen auf Vergil, Symphosius und Plautus (ebd. 126). Bei Vergleichen verschiedener Körperteile des Kornkäfers mit denen anderer Insekten werden neben der Biene auch Ameise, Fliege, Moskito und Mücke erwähnt (Stelluti 1630, 126). Die Biene wird hinsichtlich ihrer Flügel außerdem mit der Fliege und auch mit der Fledermaus verglichen (ebd. 53). Dies deutet weitere Untersuchungen Stellutis an, die jedoch vermutlich mangels ihrer literarischen Relevanz nicht ausgearbeitet wurden.
Hinsichtlich der Systematik der Bienen beachte man unter anderem, wie bei der Beschreibung der Apes civiles (Galluzi, Paolo und Luigi Guierrini 2006) sogar die Bemerkungen über die physische Gestalt losgelöst vom Haupttext, beinahe als Zusatz stehen (ebd. Felder 48, 53). Zur Zeugung der Bienen siehe ebd. (Felder 9, 47, 49). Woolfson (2009, 296–298) sieht in dieser Erklärung vor allem paracelsistische und neoplatonische Elemente, entgegen seiner Aussage wird aber auch die Möglichkeit einer Zeugung von Bienen aus Ochsenkadavern erwähnt (Galluzi, Paolo und Luigi Guierrini 2006), auch dies allerdings ohne Rückgriff auf Beobachtungen.
Bereits das Apiarium wurde im vollen Titel als Vorbote von Cesis unvollendetem Hauptwerk, dem Theatrum naturae, ausgewiesen (Galluzi, Paolo und Luigi Guierrini 2006). Die hierfür ebenfalls vorgesehenen Tabulae phytosophicae erschienen schließlich in verschiedenen Fassungen als Anhang zu mehreren Ausgaben des Rerum Medicarum Novae Hispaniae Thesaurus von Francisco Hernández (Freedberg 2002, 225–228, 266–267, 286, 370). Hinsichtlich der verschiedenen Ansätze zur Klassifikation siehe Hernández (1651, 901–960, v.a. 909–914). Freedberg (2002, 377, 383–384) charakterisiert dieses Projekt trotz des Rückgriffes auf mikroskopische Beobachtungen als Fehlschlag. Die Beobachtungen und die Versuche zur Systematisierung hätten jedoch den Drang gemeinsam gehabt, zum Essentiellen der Dinge vorzudringen (ebd. 286).
Freedberg (2002, 33, 219, 222, 225–228).
Fontana wurde zwar auf dem Originaldruck der Melissographia nicht erwähnt, hat aber Stelluti (1630, 47) zufolge deren Darstellungen angefertigt (s.a. Freedberg 2002, 185, 189). Das Fehlen von Graphiken in seinen eigenen Beobachtungen fällt besonders deswegen auf, weil solche im astronomischen Teil seines Buches durchaus zu finden sind.
Die Begegnung mit dem „Animalculum anonymum“ wird als ein Zufall beschrieben (Fontana 1646, 150); so wie auch bei den ähnlichen Beobachtungen von Borel (s.u. S.
Siehe Kommentare zum Inneren des Flohs (Fontana 1646, 148–149) und zu Blut und Blutgefäßen der Fliege (ebd. 149). Hinsichtlich der Pflanzen beließ Fontana es bei folgendem Kommentar am Ende seiner Beobachtungen: „In herbis, & arborum frondibus, venas ingenioso opificio ductas, in ijsque succum, quo aluntur ea, quae radicibus continentur, inspeximus, & quo modo in illis succus gelet, & fluat, perspecimus [...] Conspicitur etiam in floribus succus, venulisque florida innatans ambrosia“ (ebd. 151).
Zu den naturhistorischen Bezügen und der Tabelle siehe die entsprechenden Stellen im Text, der bei Pighetti (1961, 319–322, 328) wieder abgedruckt wurde. Odierna nannte zudem Girolamo Cardano und Albertus Magnus als Vertreter der falschen Ansicht, dass Fliegen keine Augen hätten (ebd. 324). Zur Ausrichtung seiner eigenen Beobachtungen schrieb er: „Or tutte queste specie d'Insetti, e ciaschuna d'esse vien diuisa, e vengono distinte in numerosissime specie suba'ternate, in tanto che sotto il Genere della Mosca sene anummerano più di 70. [...] Vedesi dunque, per cominciare la Descritione di questa singolarissima Anatomia [...] nell'estrinseco dell'Occhio della Mosca, e in qualsiuoglia indiuiduo delle specie annouerate sotto il Genere degl'Insetti“ (Pighetti 1961, 323).
Hinsichtlich der philosophischen Einflüsse vergleiche den vollen Titel (Pighetti 1961, 319) sowie die Ankündigungen für verschiedene Schriften zur Optik (ebd. 331, 334–335). Der medizinische Einfluss äußerte sich einerseits in der Verwendung anatomischer Begriffe bzw. der Charakterisierung der ganzen Untersuchung als Anatomie (ebd. 323, 326, 329, 330, 332). Hinsichtlich der Methoden s.u. S.
Siehe die Beschreibungen verschiedener Insekten (Borel 1656a). Dazu kommen zwei von Fontana übernommene Beobachtungen (ebd. L, LXIV) und eine Beobachtung, die sich besonders den Fühlern der Insekten widmete (ebd. LIX). Die Anzahl der unbekannten Insekten war unter Einbezug einer Beobachtung von Fontana auf zehn angewachsen. Von diesen wurden vier auch graphisch dargestellt (Borel 1656a), während die anderen nur im Text beschrieben wurden, ähnlich wie bei Fontana zuweilen mit einer narrativen Einleitung (ebd. LI, LVIII, LXIV (übernommen von Fontana), LXIX, LXXIV, LXXVIII). Dabei wurde auch darauf hingewiesen, dass es noch unzählige andere Insekten gäbe, die noch nie beschrieben worden seien (ebd. LI). Ein in gewisser Weise ähnliches Thema sind Borels Beobachtungen von Lebewesen, die mit bloßem Auge unsichtbar sind. Diese gehören jedoch allesamt in den medizinischen Bereich (s.u. S.
Die Augen werden zwar nur in einigen der Insekten-Beobachtungen besonders hervorgehoben (Borel 1656a), bekamen jedoch auch eigene Textabschnitte zugestanden, welche Spinnen, Ameisen und Skarabäen betreffen (ebd. IX, XXXIV, LXXIII). Hinzukommen zwei Beobachtungen, die von Odierna übernommen wurden (ebd. XXXIII, XLIX). Auch ein Abschnitt zu den Augen von Schnecken und Krebsen (ebd. XC) erinnert an entsprechende Vergleiche bei Odierna (Pighetti 1961, 324, 329). Die bezüglich der Eier besprochenen Fragen reichen von ihrer Identifikation (Borel 1656a) über die Beobachtung des Herzschlages einer Spinne im Ei (ebd. XX) bis hin zur Möglichkeit mittels Beobachtungen an ihren Eiern zu klären, ob Ameisen Augen haben (ebd. XXXIV). Darüber hinaus werden Eier in zwei weiteren Insekten-Beobachtungen erwähnt (ebd. XII, LVIII). Hinsichtlich der Organe werden vor allem Herz und Blutgefäße erwähnt (ebd. IX, XI, LXXXIV), vermutlich ausgehend von zwei Beobachtungen, die von Fontana übernommen wurden (ebd. XII, L), wohingegen bezüglich des Gehirns einmal mehr auf Odierna verwiesen wird (ebd. XLIX). Zur Tradition mikroskopischer Beobachtungen an Eiern im medizinischen Kontext s.u. S.
Hinsichtlich der Problematik des Schädlingsbefalls siehe die Beobachtungen zu Läusen (ebd. XI), Flöhen (ebd. XII), Silberfischchen (ebd. XXXVI) und Küchenschaben (ebd. LXXIV, XCI).
Während bezüglich einiger Blätter lediglich die Rede von Öffnungen in ihnen ist (Borel 1656a), werden bei nicht näher benannten Blüten (ebd. XXVI, übernommen von Fontana) sowie den Blättern von Geißblattgewächsen, Lorbeer und Thymian Venen ausgemacht (ebd. XXVI, LXIII), bei den Blättern von Salomonssiegel hingegen Nerven (ebd. LXXI). Bemerkenswerterweise werden diese Untersuchungen nicht in Verbindung mit der Frage der Oberflächenstrukturen der Pflanzen und den aus ihnen resultierenden Sinneseindrücken gesetzt (s.o. S.
Bezüglich der Suche nach Samen von Farn und des Verweises auf Cesi siehe Borel (1656a). An anderer Stelle spricht Borel explizit von einer „Anatomie“ von Samen (ebd. XVII; s.a. XXXIX). Der Vergleich von Hirse mit Eiern (ebd. XLIV) deutet ebenfalls in die medizinische Richtung (s.u. S.
„sicque hoc Conspicillo novae plantae, nova animalia &c. deteguntur“ (Borel 1656a).
Dabei stand für Power außer Frage, dass erst Mayherne über ein Mikroskop verfügte, bemerkte er doch hinsichtlich des Acarus: „Certainly Scaliger and Muffet would have far more admired this almost invisible subcutaneous Inhabitant, had they had the happiness to have seen it in our Microscope. [...] Our famous Mayhern (who had the advantage of an Ordinary Microscope) gives this short, but very neat description of this poor Animal. [...]“ (Power 1664, 22–23; s.a. 2–3, 6, 10, 12, 28–29, 52). Bemerkenswert ist auch Powers Widerspruch gegen Moffets Beschreibung von Nissen hinsichtlich der in ihnen enthaltenen Insekten (ebd. 52). Ein Vergleich mit einem Abschnitt zu Zikaden (ebd. 28–29) legt nahe, dass hier einer Zeugung von Läusen aus Eiern grundsätzlich widersprochen werden sollte, denn dort wurde angemerkt, dass jede Pflanze ihre eigenen Insekten erzeugen würde, während hier die Entsprechungen von Nissen bei Menschen und Pferden betont wurden. Die andernorts beschriebenen Spinneneier (ebd. 15) könnten dabei eine Ausnahme bilden, da diese nicht als Parasiten beschrieben wurden. Zu Powers mikroskopierenden Vorgängern findet sich lediglich eine kurze Erwähnung Borels im Zusammenhang mit einer medizinischen Frage (s.u. S.
Zwar ist der mikroskopische Teil der Experimental Philosophy grob unterteilt in Beobachtungen von Insekten und kleineren Tieren (Power 1664, 1–42), von anorganischen Stoffen (ebd. 42–46) und von Pflanzen und Pflanzensamen (ebd. 46–51), die Insektenbeobachtungen sind jedoch in sich nicht weiter geordnet, wenn man einmal von einer gewissen Häufung der Beobachtungen von Milben (ebd. 16–20) und unbekannter Insekten (ebd. 30–32) absieht. Zu letzteren finden sich jedoch auch andere Stellen, die aber anders als bei Borel weniger an ihren Namen als an den ähnlichen Einleitungen zu erkennen sind (ebd. 10–11, 26–27, 20). Eine narrative Einleitung findet sich dagegen nur für eines der unbekannten Insekten (ebd. 19), aber auch für die Beobachtung einer Feldspinne (ebd. 15). Die Beobachtungen von Schnecken und Lampreten (ebd. 36–42) hatten den gleichen Schwerpunkt wie die der Insekten: Augen und Herzschlag. Deutliche Unterschiede zeigen sich hingegen in der Beobachtung des Essigaals, s.u. S.
Die Beobachtungen umfassten Flöhe, Bienen, verschiedene Fliegen, Schmetterlinge, Läuse, verschiedene Spinnen, Glühwürmer, Grashüpfer, Ameisen und Heuschrecken (Power 1664, 1–10, 11–15, 23–26, 30–32). Die Abschnitte über verschiedene Milben mussten sich hingegen wegen deren geringer Größe auf die grobe äußere Gestalt beschränken (ebd. 16–23). Zu den medizinischen Einflüssen s.u. S.
Untersucht wurden die Samen von Farn, Frauenhaar, Erdbeere, Mohn und Lilien (Power 1664, 46–50). Ausgangspunkt für diese Themenwahl war „the old quarrel in Herbalism, Which is the least of Seeds“ (ebd.46–47). Die beschriebenen Strukturen umfassten besondere Blätter (ebd. 50), die Kapselfrüchte von Nelken und Nesselhaare (ebd. 51).
Direkte Anregungen für einzelne Beobachtungen sind belegt für versteinertes Holz, Salbeiblätter und Haare (Harwood 1988, 124–125, 129), zudem wurden Nüsse mit darin eingeschlossenen Insekten von Peter Ball bereitgestellt (Hooke 1665, 190). Bereits im Mai 1663 wurde das besondere Interesse der Fellows an Insekten dadurch ersichtlich, dass ausgehend von den mikroskopischen Beobachtungen von Christopher Wren ein Komitee zu ihrer Erforschung gebildet wurde (Birch 1756–1757, 1.21–23).
„As in Geometry, the most natural way of beginning is from a Mathematical point; so is the same method in Observations and Natural history the most genuine, simple, and instructive. [...] We will begin these our Inquiries therefore with the Observations of Bodies of the most simple nature first, and so gradually proceed to those of a more compounded one“ (Hooke 1665, 1). Man beachte die Ähnlichkeit zu den Ausführungen in Descartes' Discours (Descartes 1964–1986, 6.20–21). Dementsprechend folgen auf die ersten 10 Beobachtungen, die eine Art geometrisch-philosophische Einleitung bilden, zunächst einfache anorganische Strukturen (XI–XV), dann Beobachtungen zu Pflanzen und ihrem Wachstum (XVI–XXIII), ihren Auswüchsen und Stacheln (XXIV–XXVII), sowie ihren Samen (XXXVIII–XXI). Darauf folgen Beobachtungen zum Äußeren von Tieren (XXXII–XL), eine Beobachtung zu den Eiern des Seidenspinners (XLI), sowie schließlich stärker ins Detail gehende Beschreibungen von Insekten (XLII–LVII). Die letzten Kapitel befassen sich dann mit Fragen der Optik und Astronomie.
Dementsprechend findet auch die Überleitung von anorganischen zu pflanzlichen Strukturen über die porösen Strukturen des Kettering-Steines und von Holzkohle statt (Hooke 1665, 93–94; 100–101). Die Beobachtungen von tierischem Gewebe beginnen mit Haaren, die in einer Analogie als „a kind of Vegetable growing on an Animal“ (ebd. 158) charakterisiert werden. Noch kurz zuvor hatte Hooke die Ähnlichkeit zwischen Portulak-Samen und der Schale eines Nautilus festgestellt (ebd. 156), später wies er auf die Übereinstimmung bestimmter Formen bei Insekten und Krustentieren, insbesondere des Äußeren eines unbekannten Insektes mit dem einer Krabbe hin (ebd. 207).
Hooke verstand die beobachteten Poren als Teil von Gefäßen der Pflanzen, in denen Nährsaft transportiert werde (Hooke 1665, 100–101, 113–114). Im Zusammenhang mit einem längeren Zitat über die Beobachtungen verschiedener Fellows an sensitiven Pflanzen, erwähnte er auch seine Suche nach Klappen wie in Blutgefäßen und seine Erfolglosigkeit in der Mikroanatomie solcher Pflanzen (ebd. 116, 120); s.u. S.
Bei den vermeintlich spontan erzeugten Pflanzen handelte es sich um parasitäre Pflanzen (Hooke 1665, 121–125), Schimmel (ebd. 125–131), Moos (ebd. 131–135) und Seegras (ebd. 140–141). Hooke schien trotz des Fundes von samenähnlichen Partikeln in der ersten Beobachtung die Idee einer spontanen Zeugung, in der durch Verfall einer Pflanze eine weitere niedrigerer Art entstünde, vorzuziehen (ebd. 123), auch wenn er an anderer Stelle einräumt, dass es sich auch hierbei nur um eine Vermutung handle (ebd. 134). Die Auswahl der zu untersuchenden Pflanzensamen konzentrierte sich erneut auf besonders kleine Arten, wodurch wie schon bei Power nichts genaueres zum Inhalt derselben gesagt werden konnte (ebd. 152–156). Stattdessen sollten die Samen von Kornveilchen, Thymian, Mohn und Portulak als Referenzen für weitere Beobachtungen in dieser Richtung dienen (ebd. 153). Auch wird in diesem Zusammenhang eine gewisse Kritik an den bisherigen Herbaria der Naturgeschichte geäußert (ebd. 155).
Die Beobachtungen umfassten die Eier von Seidenspinnern, Spinnen, Schmetterlingen und Fliegen, wobei der Schwerpunkt in der Beschreibung auf ersteren lag (Hooke 1665, 181–182). Die eigentlichen Überlegungen zur Zeugung oder Fortpflanzung standen jedoch in Zusammenhang mit der Beobachtung der Metamorphose einer Mücke (ebd. 187–189; hier wird auf Willem Piso und Johannes Goedart verwiesen) sowie der Untersuchung von Pflanzengallen (ebd. 189–190) und von Fruchtfliegen befallenen Nüssen (ebd. 191–193). Hier äußerte Hooke zumindest die Vermutung, dass auch diejenigen Insekten, denen gemeinhin eine spontane Zeugung nachgesagt werde, aus an geeigneten Stellen abgelegten Eiern geschlüpft sein könnten (ebd. 190–191). Ähnlich vorsichtige Bemerkungen finden sich in den Beobachtungen von Milben (ebd. 207, 214–215). Auch die Feststellung verschiedener Geschlechter bei Mücken war nur eine Vermutung (ebd. 195).
Siehe hierzu die Beobachtungen zu den Nesselhaaren von Salbei, Brennnessel und Juckbohnen (Hooke 1665, 142–147) sowie die Beschreibungen des Bienenstachels mit entsprechenden Vergleichen (ebd. 163–164). Die Beobachtungen zu den Saugrüsseln von Mücken und Läusen entbehren hingegen derartige Vergleiche (ebd. 195, 212).
Griendels Micrographia Nova, die zeitgleich in lateinischer und deutscher Sprache erschien, gliederte sich in acht Kapitel, die nach kurzen technischen Ausführungen Beobachtungen zu verschiedenen Insekten, Milben, Blüten, Textilien, Haaren, Samen und Partikeln verschiedenen Ursprungs enthielten, die zum einen allesamt nicht über äußerliche Beschreibungen hinausgingen, zum anderen ohne nennenswerte Bezüge der Objekte aufeinander blieben. Insbesondere bei den Darstellungen von Floh und Laus (Griendel von Ach 1687, Obs. II, Fig. III, IV) sowie von Schimmel (ebd., Obs. IV, Fig. IV) wird zudem deutlich, dass Hookes Micrographia nicht nur ein Einfluss hinsichtlich der Titelwahl darstellte. Während jedoch bei seinem englischen Vorbild die Beobachtungen einer Nadelspitze, Textilien u.ä. vornehmlich aus rhetorisch-didaktischen Gründen angeführt wurden, waren sie für Griendel offenbar vollwertige Objekte (ebd., Obs. I, Fig. I; Obs. V, Fig. I–VI). Buonannis Micrographia curiosa bildete hingegen den Anhang zu einer Schrift zur spontanen Zeugung (Buonanni 1691). Auch hier wurden bei den Insektenbeobachtungen erneut Hookes Abbildungen von Floh und Laus reproduziert (ebd., Fig. 55, 56). Ferner finden sich Beobachtungen zu verschiedenen spitzen Objekten wie Dornen oder Zähnen, Blüten, zu Körperflüssigkeiten, zu den Animalcula Leeuwenhoeks und zu Fischschuppen. Auch hier kam es zu keinerlei Verbindung oder Systematisierung der Objekte.
Zur Entstehung siehe Adelmann (1966, 1.338–339, 673) und Meli (1997, 51). Besonders hervorzuheben sind die Vergleiche mit der Heuschrecke (Malpighi 1687, 2.18, 20–22, 39, 42) und der Zikade (ebd. 18, 26, 38), weitere Vergleiche mit Insekten und größeren Tieren ebd. (2.8, 18, 23, 26, 39, 42, 44).
Malpighi charakterisierte seine Arbeit mehrfach explizit als eine Historia (Malpighi 1687, 2.7, 8, 48). Nach ausführlicher Beschreibung von Äußerem und Inneren zweier Stadien der Raupe (ebd. 2.9–14, 14–27), folgen Beobachtungen an Larven verschiedenen Alters (ebd. 2.29–34) bevor wiederum Äußeres und Inneres der Falter sowie deren Koitus und Ablage der Eier beschrieben werden (ebd. 2.34–36, 36–44, 44–47). Hierin zeigt sich eine gewisse Ähnlichkeit zur Erforschung der Entwicklung von Foeten durch Mediziner, s.u. S.
Allerdings wurden Herz und Blutkreislauf, die sonst bei derartigen Beobachtungen von medizinischer Seite von zentralem Interesse waren, unter den Organen oder Körperprozessen nicht besonders hervorgehoben (Malpighi 1687, 2.20–21, 42–43); s.u. S.
„Mirum est, Plantarum genus [...] ad haecusque tempora menti nostrae latuisse, & postremò suae compagis cognitione nos erudire tantâsse [...]“ (Malpighi 1687, Bd. 1, ) – „Bonarum artium literarúmque incrementis [...] non eam, ut reor, bellorum clades, populorúmque novitates intulêre labem, quàm inversa studiorum methodus, artiúmque incongrua electio. Currentis enim saeculi genio ut plurimùm studia selegimus, vel parentum majorúmque caecis legibus ducimur ad artes [...]“ (ebd. 1.1) – „antiqua enim distinctio [...] suas quoque invenit difficultates apud Botanicos [...] Nec defuerunt, qui attenta varia seminum & foliorum forma, reliquisque phaenomenis, prima vegetantium genera adeò multiplicaverint, ut eadem planta sub diversis specibus decies describuntur; unde sanioribus passim impossibile videtur, plantas omnes in determinatos ordines distinguere“ (ebd. 1.17). Der Grundlagentext von 1671 wurde schließlich als Idea anatomes plantarum dem ersten Teil des Hauptwerkes vorangestellt (Adelmann 1966, 1.355, 371–372).
Adelmann (1966, 1.216) versteht eine Bemerkung von Malpighis Mentor Borelli im März 1663 als Anfangsmoment seiner Pflanzenbeobachtungen, möglich ist aber auch, dass erst Oldenburgs Anfrage von 1667 den entscheidenden Anstoß zu den Beobachtungen gab, da spezifischere Hinweise zu diesem Großprojekt erst 1669 nachgewiesen werden können (ebd. 1.353; s.a. Meli (1997, 51)).
Derartige Fragen wurden schon in der Idea erwähnt (Malpighi 1687, 1.12–14), im Hauptwerk dann aber in weniger enger Verbindung voneinander weiter bearbeitet: Schlussfolgerungen zur Ernährung finden sich in den Kapiteln über Rinden (ebd. 1.23), Stämme (ebd. 1.34–35) und Blätter (1.54–55), zur Atmung nur im Kapitel über Stämme, wobei hier explizit erwähnt wurde, dass Malpighi gezielt nach Öffnungen für die Atmung gesucht hatte (ebd. 1.32–33). Im zweiten Teil wurde im Zusammenhang mit parasitären Gewächsen lediglich auf die Frage der Ernährung eingegangen (ebd. 1.144). Pflanzengallen wurden bereits in der Idea auf die Ablage von Insekteneiern zurückgeführt (ebd. 1.10–11), eine Charakterisierung als Krankheit und Vergleiche mit menschlichen Leiden fand jedoch erst im zweiten Teil des Hauptwerkes statt (ebd. 1.112, 130–132), hier wurden zudem auch andere Schwellungen erwähnt und ähnlich interpretiert (ebd. 1.133–135). Fraglich blieb hingegen, ob es sich bei den vielfach an Pflanzen zu findenden Haaren und Dornen um Organe für ihren Schutz oder um zufällige Schwellungen handelte (ebd. 1.137–138).
Bereits in der Idea hatte Malpighi angedeutet, dass Untersuchungen des Holzes das Wachstum von Pflanzen erklären könnten (Malpighi 1687, 1.3–4). Im ersten Teil der Anatome wurde dies wieder aufgegriffen (ebd. 1.23), aber auch das Wachstum von Sprossen und Knospen thematisiert (ebd. 1.36, 39–40, 45). Wie in fast allen Kapiteln wurde dabei zuweilen bei mehreren Pflanzen die gleiche Struktur festgestellt (bspw. ebd. 1.20–21, 25, 40). Im zweiten Teil wurde das Wachstum von Ranken (ebd. 1.139) behandelt, bei Wurzeln wurde es eher nebensächlich erwähnt (ebd. 1.148–153), ebenso bei parasitären Pflanzen (ebd. 1.140–144). Auch die Beobachtungen von Knospen, Blüten und Samen wurden bereits in der Idea im Zusammenhang mit der Fortpflanzung der Pflanzen erwähnt (ebd. 1.5, 7–10). Der erste Teil der Anatome umfasste dementsprechend detaillierte Beobachtungen zu den einzelnen Teilen der Blüte und Schlussfolgerungen bezüglich ihrer jeweiligen Funktion bei der Fortpflanzung (ebd. 1.68–70, 77, 85–87). Die Entwicklung der Samen und der in ihnen enthaltenen Keimlinge beschrieb Malpighi zunächst in zwei Stadien: in der Entstehung an der Pflanze (ebd. 1.71–77) und losgelöst von ihr (ebd. 1.87–93). Im zweiten Teil kam mit den eingepflanzten Samen ein drittes Stadium hinzu, in dem zudem auch mit dem Wachstum experimentiert werden konnte (ebd. 1.97–112). Das Problem „samenloser“ Pflanzen wurde nur noch im Zusammenhang mit parasitären Pflanzen erwähnt (ebd. 1.140–144).
„Rerum natura tenebris obvoluta, cùm solo analogismo pateat, tota percurrenda venit, ut mediantibus simplicioribus machinis, in sensum faciliùs occurrentibus, implicatiores retexamus. [...] Etenim, fervente aetatis calore, Anatomica agressus, licèt circa pecularia fuerim sollicitus, ut in perfectoribus tamen haec rimari sum ausus. Verum, cùm haec propriis involuta tenebris obscura jaceant, simplicium analogismo egent; unde Insectorum indago illico arrisit; quae cùm & ipsa suas habeat difficultates ad Plantarum perquisitionem animum postremò adjeci, ut diu hoc lustrato mundo, gressu retroacto, Vegetantis Naturae gradu, ad prima studia iter mihi aperirem. Sed nec fortè hoc ipsum sufficit, cùm simplicior Mineralium Elementorúmque mundus praeire debeat“ (Malpighi 1687, 1.1–2). Die Kenntnis zumindest einiger Schriften Descartes' ist durch den Briefwechsel mit Borelli belegt, der Malpighi im März 1664 für seine ihm deplaziert erscheinende Wertschätzung für diesen tadelte. Eine Zusammenfassung von Hookes Micrographia erhielt Malpighi hingegen erst 1671 (Adelmann 1966, 1.177, 217, 236–237, 364–367).
Dies deutet zum einen bereits der volle Titel an: An Anatomy of Plants Begun with a General Account of Vegetation founded thereupon (Grew 1682, 1). Zum anderen ist Wachstum das Hauptthema der ersten vier Kapitel (ebd. 6–10, 14–18, 22–28, 28–29). In den Kapiteln V und VI geht es dagegen vor allem um die Funktionen der Blütenteile und der Früchte (ebd. 35, 37, 39–40, 44–45), während im siebten Kapitel vor allem die Zeugung (generation) der Pflanze in Abgrenzung zu ihrem Wachstum (vegetation) thematisiert wird (ebd. 45–46).
Nach einleitendem Lob neuerer Forschung bemängelte Grew fehlende oder ungenaue Informationen zu den Wirkungen verschiedener Pflanzen, unzureichende Beschreibungen, sowie eine ungenügende Systematik und verworrene Namen (Grew 1682). Dass Grew mit seinen eigenen Untersuchungen auch naturphilosophische Ziele verfolgte, macht besonders folgende Äußerung deutlich: „So also the consideration of the Colours, Smells and Tastes of Vegetables, may conduce to the Knowledge of the same Qualities in General; or of what it is, that constitutes them such, in any other Body: not as they are actually received by Sense; but so far, as much Materials or external Circumstances, are requisite to their becoming the Adequate Objects thereof“ (ebd. 4). Aber auch an anderen Stellen wird das Wissen um Prinzipien, Ursachen, Qualitäten und Fakultäten in den Vordergrund gestellt (ebd. 4–5, 8, 10, 12–13, 15, 18, 21, 23). Zu den praktischen Zielen und der neuen Systematik siehe ebd. (3–5). Die Zirkulation von Saft war bereits 1671 von Grew erwähnt worden (Grew 1682, 17–18, 23–26).
Während es diesbezüglich in der Anatomy of Roots und der Anatomy of Trunks einen getrennten Textabschnitt gab (Grew 1682, 81–92, 123–137), wurden diese Fragen in der Anatomy of Leaves... jeweils am Ende der einzelnen Kapitel behandelt. Zu den Funktionen einzelner Teile siehe dementsprechend ebd. (150–156, 170–173, 189–190, 203–208), zum Wachstum ebd. (156–160, 173–174, 191–192, 209–212).
Für diese Themen scheinen jedoch mikroskopische Beobachtungen keine Rolle gespielt zu haben, zumindest werden sie nicht erwähnt (Grew 1682, 92–96, 137–140, 174–176). Dies gilt auch für einige der ebenfalls 1676/1677 entstandenen Lectures, welche sich zum Teil bemühten allgemeine Aussagen über die stofflichen Eigenschaften von Pflanzen zu treffen (ebd. 233–236, 238–242, 255–260, 261–268, 269–278, 279–283, 290–292, 292–293), jedoch wiederum kaum mikroskopische Beobachtungen enthielten.
Einige Insekten konnten jedoch vorerst keinem dieser Typen zugeordnet werden (Swammerdam 1669, 165–168).
Swammerdam (1672, 16–18), Ruestow (1996, 110–113), Cobb (2002, 122–123, 126–127).
Dabei spielten vor allem die Bienen (Swammerdam 1675, 18, 29, 36, 78, 108, 118, 120, 176, 178), die Swammerdam bereits seit einiger Zeit besonders eindringlich erforschte (Ruestow 1996, 110, 113–116, 121) und der Seidenspinner (Swammerdam 1675, 27, 34, 78, 80, 81, 87–88, 175) herausragende Rollen. Malpighis Arbeit wurde in diesem Zusammenhang allerdings nur kurz erwähnt (ebd. 88).
Der Skorpion, der zuvor ohne Zuordnung blieb (Swammerdam 1669, 167–168) wechselte nun in die erste Ordnung (Swammerdam 1737–1738, 1.92–96), zu der auch zwei Schnecken gezählt wurden (ebd. 1.97–194, 194–208). Zur zweiten Ordnung kam ein Stachelkäfer hinzu (ebd. 1.220–228). Die Beobachtungen der Milbe, die zuvor zur ersten Ordnung gezählt wurde (Swammerdam 1669, 71–72), wurden ganz aus dem Schema ausgegliedert (Swammerdam 1737–1738, 2.695–722).
Nachdem der Acarus erneut als Beispiel der ersten Ordnung genannt worden war, folgte nach den Ausführungen zur vierten Ordnung eine längere Abhandlung über Milben, in der vor allem die vermeintliche Zeugung aus Käse hinterfragt wurde (Swammerdam 1737–1738, 1.57; 2.695–722). Daran schlossen sich wiederum verschiedene Untersuchungen zur Entstehung von Insekten aus Pflanzengallen an (ebd. 2.723–788). Von den hier untersuchten Insekten war zumindest ein an Weiden zu findender Käfer (ebd. 2.743–747) bereits in der Historia erwähnt worden, wo er zur dritten Ordnung gehört hatte (Swammerdam 1669, 127). Weitere, dem Haupttext der Bybel nachgestellte Untersuchungen umfassten die Metamorphose und Anatomie von Fröschen (Swammerdam 1737–1738, 2.789–860), die Anatomie des Tintenfisches (ebd. 2.876–902), der Meeresschnecke (ebd. 2.902–906) und des Meeresfarns (ebd. 2.906–910). Auf den Gesamttext bezogen wurden diese Abschnitte zumindest zum Teil durch allgemeinere Überlegungen zu den Prinzipien der Fortpflanzung ergänzt (ebd. 2.861–875).
Leeuwenhoek (1939–1999, 1.32–35, 272; 7.36–39; 9.290).
Leeuwenhoek (1939–1999, 1.46; 7.344–355). Die Struktur des Mückenstachels war 1673 als Entsprechung zum Bienenstachel erwähnt worden, ohne dass darauf 1688 (als er mit dem Stachel einer Pferdebremse verglichen wurde) Bezug genommen wurde. Leeuwenhoek datierte diese Beobachtungen sogar auf 1671 (ebd. 1.44).
Huygens schrieb im November 1678 an seinen Bruder: „Une chose inanimee qui est belle a voir c'est la poussiere qui est sur les ailes de grands papillons, lors qu'elle en est detachée. J'en ay veu de ces differentes formes, mais elles sont outre cela ouvragees et rayées a merveille“ (Huygens 1888–1950, 8.125). Zur Weiterleitung des Briefes siehe ebd. (8.139). Leeuwenhoek antwortete: „Dit heb ick doorgaens veeren vande vleugels vande Cappellen genoemt, en mogen oock mijns oordeels met recht veeren genoemt worden, want sij beslaen het Hoornachtigh Vlies daer uijt de vleugels vande Cappellen bestaen, in soo netten ordre als de veeren de lichamen van het gevogelte doen, want soo wel als ijder veertge versien is met een schaft die inde Huijt vande vogel vast is, soo is insgelijcx ijder van dese Capel-vleugels-veeren, mede met een schaft versien [...]“ — „I have always called this the feathers on the wings of butterflies and in my opinion we are justified in calling them feathers for they cover the horny membrane of which the wings of butterflies are composed as neatly as the feathers of a bird cover its body. For just as every feather has a shaft fixed in the bird’s skin, so also every one of the feathers on a butterfly’s wing has a shaft, fixed in the above-mentioned horny membrane [...]“ (Leeuwenhoek 1939–1999, 2.404–405). Hooke (1665, 196) und Malpighi (1687, 2.36) sprachen in ähnlichen Fällen ebenfalls von „Federn“. Leeuwenhoek beschäftigte sich später auch mit den Federn von Vögeln (Leeuwenhoek 1939–1999, 9.70–79) und benutzte auch in späteren Insekten-Beobachtungen weiter diesen Begriff (ebd. 8.284, 302; 9.50–67; 14.124–131).
Leeuwenhoek (1939–1999, 1.32; 10.124–129). Er kehrte bereits im November desselben Jahres zu den Libellenaugen zurück; diesmal in einer vergleichenden Untersuchung, die auch die Augen von Krabben, Hummern und Schrimps umfasste (ebd. 10.154–161). Neben den Darstellungen kritisierte er zudem die immer noch verbreitete Ansicht, einige Insekten hätten keine Augen (ebd. 10.128–131). Die Hinweise auf Anfragen zu diesem Thema sind spärlich gesät und erwähnen nicht deren Urheber (ebd. 10.156; 12.218). Insektenaugen fanden darüber hinaus ab dem Oktober 1676 auch Erwähnung als Vergleichsobjekte für die Größenbestimmung von Animalcula (ebd. z.B. 2.72, 89).
Im April 1692 zitierte Leeuwenhoek (1939–1999, 9.256) aus der niederländischen Fassung von Kirchers Mundus subterraneus einen Abschnitt zur Generatio spontanea des Flohs; seine eigenen Beobachtungen diesbezüglich waren jedoch durch Bitten Pieter Rabus' angeregt worden (s.u. S.
Über den Erhalt einer Zusammenfassung von Buonannis Observationes circa viventia (1691) berichtete Leeuwenhoek (1939–1999, 10.28–31) im März 1694. Bereits im April schickte er dann seine eigenen Beobachtungen (ebd. 10.90–137; bes. 96–99, 112–117). Im Gegensatz zu 1680 (ebd. 3.208–213) konzentrierte er sich nun aber bemerkenswerterweise auf die Ovaria und Eier der Muscheln, während sich zuvor und in späteren Studien sein Interesse vor allem auf die Samen-Animalcula richtete. Über Fortpflanzung der Bienen schrieb Leeuwenhoek 1700 nachdem er sich zuletzt 1673 mit ihnen befasst hatte (ebd. 13.116–129).
„Het gemeene seggen alhier is dat Ael en Palingh, uijt een bedervinge in stinckende poelen en slooten voort gebracht worden; Andere seggen weder dat den dauw inde maent van Meij de Palingh en ael voortbrengt. [...] Dit siende nam ick in gedachten, dat Ael, en Palingh, weder Ael en Palingh voortbrachten.“ — „It is a common saying here that eels are produced by corruption in stinking pools and ditches; others again maintain that they are produced by dew in the month of May [...] Seeing this I imagined that eels gave life to eels“ (Leeuwenhoek 1939–1999, 2.240–243). Ähnlich strukturierte, aber detailliertere Bemerkungen finden sich in einem Brief vom September 1692 als Einleitung zu einer weiteren Untersuchung (ebd. 9.140–145, 164). Über den Rogen verschiedener Fische hatte Leeuwenhoek bereits ab dem Januar 1675 berichtet (ebd. 1.215, 273), also noch vor seinen ersten belegten Beobachtungen an Insekteneiern im November 1676 (erwähnt ebd. 2.244). Zu den Animalcula s.u. S.
Beobachtungen von Muscheln finden sich in einem Brief vom April 1680 (Leeuwenhoek 1939–1999, 3.208–213). Im November folgten dann die Ergebnisse einer vergleichenden Untersuchung, durch die für Maikäfer, Libellen, Grashüpfer, Fliegen, Bremsen und Flöhe die Fortpflanzung mittels Samen-Animalcula nachgewiesen werden konnte (ebd. 3.314–329; s.a. Smit (1982, 180)). Mit Ausnahme des Flohs waren die anderen Insekten zuvor nicht erwähnt worden. Muscheln wurden im Laufe der Jahre noch mehrfach hinsichtlich ihrer Fortpflanzung untersucht, wobei sich die Perspektive zu ihrer Fortpflanzung mehrfach änderte (s.u. S.
Leeuwenhoek (1939–1999, 7.6, 8.184). Bezüglich der Rolle der Delfter in Leeuwenhoeks Forschung s.u. S.
Leeuwenhoek (1939–1999, 8.184–187, 322, 324–329; 10.188; 12.38; 13.318/344–363; 14.48–51). Durch spätere Briefe ist jedoch das Interesse von Christiaan Huygens an der Fortpflanzung des Aales belegt, das scheinbar mit dafür sorgte, dass Leeuwenhoek sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren hiermit beschäftigte (ebd. 9.178–181; 11.304–309).
Birch (1756–1757, 3.350; 4.217, 407); Leeuwenhoek (1939–1999, 5.268; 6.18, 312–331). Die Eier von Seidenspinnern waren bereits von Hooke (1665, 181–182) und Malpighi (1687, 2.8, 33–34, 39–42, 44–47) beschrieben worden. Diese Anfrage scheint zumindest kurzzeitig das Interesse Leeuwenhoeks an Eiern wiederbelebt zu haben, denn er erwähnt in diesem Zusammenhang noch weitere Beobachtungen an verschiedenen Insekteneiern (ebd. 6.331–341), dann folgten jedoch erst 1688 wieder Untersuchungen in dieser Richtung (ebd. 8.6–15). Ähnliche Anfragen kamen in den Folgejahren auch von Richard Waller und Hans Sloane (ebd. 9.349; 10.28; 13.151, 229).
Der Gutsbesitzer und Diplomat Frederik Adriaan van Reede van Renswoude schickte 1695 im Zusammenhang mit Schädlingen in seinem Garten eine Raupe an Leeuwenhoek (1939–1999, 10.182). Bei Maarten Etienne van Velden, Professor für Mathematik und Philosophie in Louvain, waren Raupen in ein Zimmer eingedrungen (ebd. 10.262–265; 11.4–7), und der Delfter Bürgermeister Frederik Wolfert van Overschie brachte ihm unbekannte Eier, die er bei sich im Garten gefunden hatte, und die, wie sich 2 Jahre später herausstellte, die Eier von Schnecken waren (ebd. 12.180–189). Verschiedene Fragen ohne einen persönlichen Hintergrund kamen von Pieter Rabus (9.192–201, 210–255, 270–285, 296–311).
Ford (2001, 30–32) geht diesbezüglich von einer Lektüre der Micrographia während eines Besuches in England aus und nennt als weiteres Beispiel die Verwendung eines einfachen Mikroskops, wie es ebenfalls von Hooke beschrieben worden war. Gegen letzteres spricht jedoch, dass diese Beschreibung, die im Gegensatz zum zusammengesetzten Mikroskop ohne Illustrationen auskommen musste, für Leeuwenhoek aufgrund seiner eingeschränkten Sprachkenntnisse kaum zugänglich gewesen sein dürfte (Berkel 1982, 189).
Vgl. Hooke (1665, 112–116) und Leeuwenhoek (1939–1999, 1.112–115). Die ersten erhaltenen Beobachtungen von Pflanzen sind auf den August 1673 datiert und umfassten das Holz von Kiefer, Eiche und Esche (ebd. 1.46–53). Von diesen Hölzern wird bei Hooke (1665, 107) nur die Eiche erwähnt. Für weitere anatomische Analogien siehe ebd. (1.284–289; 3.148–151; 5.318-321; 6.28–33; 9.62, 80–83), für einen weiteren Vergleich zwischen Federkiel und Holz ebd. (9.70). Erste Bemerkungen zum Wachstum im Allgemeinen finden sich schon in den Beobachtungen zu Schimmel im ersten Brief an Oldenburg 1673 (Leeuwenhoek 1939–1999, 1.30), darauf folgten in kurzen Abständen Beobachtungen und Überlegungen zum Wachstum von Stämmen, Wurzeln und Blättern (ebd. 1.50–53, 274, 286; 2.34; 3.150–180, 212–215) aber auch zu Haaren, Nägeln, Haut, Augen, Perlen und Austernschalen (ebd. 1.66–69, 74–77, 112–115, 142, 280, 362–369; 2.348–351, 370–379, 386; 3.350–365, 402–405, 410–415).
Leeuwenhoek (1939–1999, 1.192, 268, 278–281; 2.128–135, 226).
Trotz der Unterschiede zu Leeuwenhoek (1939–1999, 2.4–13, Fig. 3) nahm Grew (1682, Tab. 29) keine Änderungen an seiner Darstellung aus der Originalausgabe der Comparative Anatomy of Trunks (1675) vor (LeFanu 1990, 99), sondern vermutete Täuschungen und Artefakte in Leeuwenhoeks Beobachtungen, was diesen jedoch nicht überzeugen konnte (siehe Leeuwenhoek 1939–1999, 2.24–38, 164). Für die erwähnten Anfragen zur Pflanzen-Anatomie siehe ebd. (1.218–221, 281; 6.4, 88–91; 7.358–387; 9.80–107; 10.213; 15.24–42).
Leeuwenhoek (1939–1999, 1.302–317, 350; 3.196, 212–215, 230–237; 15.24–43).
Leeuwenhoek (1939–1999, 8.336–339; 9.32–35, 186).
Leeuwenhoek (1939–1999, 1.164–166, 330, 346; 2.64, 90). Darüber hinaus sollten die in der Samenflüssigkeit gefundenen Animalcula für medizinische Fragen eine besondere Rolle spielen (s.u. S.
Die zunächst deskriptive Natur seiner Beobachtungen der Animalcula wurde auch schon im ersten konkreteren Hinweis auf sie im Januar 1676 deutlich: „hier van heb ick verscheijde aenteijckeningen gedaen, soo van haer couleur, gedaente, de delen waer uijt haer lichaem is te samen gestelt, bewegingh, en schielijcke verbrijselingh van haer gantsche lichaem [...]“ — „I made several notes thereon, on their colour, shape, the parts that compose their bodies, their movements and the sudden disruption of the entire body [...]“ (Leeuwenhoek 1939–1999, 1.346–347). Der Bericht vom Oktober 1676 bestand dann fast ausschließlich aus Beschreibungen. Die Beschreibung immer neuer Animalcula-Arten blieb auch später ein zentraler Bestandteil von Leeuwenhoeks Beobachtungen, eine Nomenklatur und Systematisierung für mikroskopische Lebensformen sollten allerdings erst Mitte des 18. Jahrhunderts von anderen Forschern in Angriff genommen werden. Für eine detaillierte Analyse dieses Zeitraumes siehe Ratcliff (2009, 177–215).
Folgende Passage sei als Beispiel angeführt: „Den 6e dito des smorgens de clock ontrent 6 uijren, heb ik een seer groote menigte, ja ongelooflijk veel uijtstekende kleijne diertgens ontdekt die omme haer cleijnheijt geen figuer te geven sijn, als mede een seer groot getal van ronde diertgens, die in mijn oog wel agtmael soo groot scheenen, als de eerste diertgens, die ik boven heb geseijt, daer ik geen figuer aen konde bekennen, dese ronde diertgens jmagineer ik mij meer als 50 mael cleijnder als het oog van een Luijs te sijn, en daer beneffens een derde soort, die tweemael soo lang als breet waren, en ontrent de langte hadde vande ronde diertgens. de vierde soort was de seer kleijne aeltgens [...] en als nu sag ik eenige, dog seer weijnige diertgens, die bij na de langte hadde van het oog van een Luijs, en was seer na in figuer, (maer veel kleijnder) als het diertge gelijk, dat ik hier vooren bij een stuk van een citroen schil heb vergeleken.“ — „On the 6th ditto, about 6 o’clock in the morning, I discovered a great many, nay incredibly many, exceedingly little animalcules to which, because of their smallness, no shape can be given and besides these a very great number of round animalcules, which to my eye seemed about eight times as big as the first animalcules, whose shape I have just said I could not make out. These round animalcules I imagine to be more than 50 times smaller than the eye of a louse. Besides these there was a third sort that were twice as long as broad, and which had about the length of the round animalcules. The forth sort was the very tiny eels [...] and now I saw also some (though very few) animalcules that had very nearly the length of the eye of a louse: in shape they were very much like (only much smaller) the little animals which I have above likened to a piece of lemon peel“ (Leeuwenhoek 1939–1999, 2.112–113). Eigene Darstellungen von Animalcula finden sich in Leeuwenhoeks Korrespondenz erst im Juli 1683, wohlgemerkt im Zusammenhang mit der Untersuchung von Blut und Samen von Fröschen; beides Themen in denen sehr früh auf Darstellungen zurückgegriffen worden war (ebd. 4.76). Auch von den Animalcula in verschiedenen Samenflüssigkeiten gab es im ersten Brief im November 1677 keine Darstellungen, diese folgten aber schon im März 1678 nach der Anfrage zu weiteren Untersuchungen (ebd. 2.346).
Zu den Größenberechnungen und Extrapolationen der Anzahl siehe Leeuwenhoek (1939–1999, 1.160–163, 2.65–85, 252–255; 3.334–337) sowie die Überlegungen von Egerton (1968), der darin einen Vorläufer der Demographie sieht.
In den ersten ausführlichen Beschreibungen wurde sowohl auf erkennbare Beine (Leeuwenhoek 1939–1999, 2.92, 102, 122, 144, 248) als auch auf deren scheinbares Fehlen (ebd. 2.98, 146) hingewiesen. Gegenüber Grew machte Leeuwenhoek später klar, dass diese jedoch angesichts der Bewegungen vorhanden sein müssten, auch wenn sie nicht zu beobachten wären (ebd. 2.390). Christiaan Huygens hatte (im Gegensatz zu Leeuwenhoek selbst) bei der Reproduktion der Beobachtungen die ersten Zeichnungen der neu entdeckten Lebewesen angefertigt und diese im Dezember 1676 nach Delft geschickt. Beim Vergleich mit den eigenen Beobachtungen erwähnte Leeuwenhoek u.a. die von Huygens nicht registrierten Beine (ebd. 2.398–403). Im Frühjahr beschäftigte er sich dann ausgehend von einer entsprechenden Nachfrage Huygens' gesondert mit den Bewegungen der Animalcula (ebd. 3.40, 46). Über bestimmte Bewegungen spekulierte Leeuwenhoek noch 1704 (ebd. 15.76–79).
Leeuwenhoek hatte zuerst bemerkt, dass die Animalcula in einer Infusion mit einer größeren Menge zerstampften Pfeffers starben (Leeuwenhoek 1939–1999, 2.102). Später gab er versuchsweise Nelken, Essig oder Ingwer zu den Pfeffer-Infusionen hinzu, was ebenfalls den Tod der Animalcula zur Folge hatte (ebd. 2.106, 124; 3.192). Diese Herangehensweise findet sich auch bei den kurz darauf folgenden Untersuchungen der Samen-Animalcula, hier reichte allerdings schon Wasser um den Tod herbeizuführen (ebd. 2.362); s.u. S.
Zur Verbindung von Naturphilosophie und Medizin im 17. Jahrhundert siehe French (1994, 3–10).
Singer (1914, 273) nennt Pierre Borel als ersten Mikroskopiker mit medizinischem Hintergrund, Lüthy (1995, 463) erwähnt Harveys mikroskopische Beobachtungen ebenfalls nicht. Ausgehend von der persönlichen Bekanntschaft mit Francis Bacon und der Verwendung des Begriffes perspicillum bei beiden (vgl. die Zitate oben S.
„Observavi quoque in omnibus pene animalibus cor vere inesse, & non solum (ut Aristot. dicit) in maioribus, & sanguineis, sed in minoribus, exanguibus, crustatis & testaceis quibusdam, ut limacibus, cochleis, conchis, astacis, gammaris, squillis, multisque aliis; imo vespis, & crabronibus muscis (ope perspicilli ad res minimas discernendas) in summitate illius particulae quae cauda dicitur, & vidi pulsans cor, & aliis videndum exhibui“ (Harvey 1628, 28); man beachte allerdings den positiven Verweis auf Aristoteles im vorangestellten Absatz. Diese erste Erwähnung mikroskopischer Beobachtungen findet sich am Ende des vierten Kapitels, das sich mit der Bewegung der Aurikeln beschäftigt. Das 17. Kapitel enthält insgesamt eher ergänzende Beobachtungen, welche das Konzept der Zirkulation bestätigen sollten. Hier werden zusätzlich auch das Fehlen von Herzen bei Muscheln, Zoophyten oder Plantanimalia sowie dessen Unvollkommenheit bei Schnecken, Mollusken und Schalentieren erwähnt. Hierbei wird hinsichtlich des Vorhandenseins eines Herzens bei allen Tieren, die über Blut verfügen, wiederum auf Aristoteles verwiesen (ebd. 64–65).
„Vidimus secundum processum, sive praeparationem ovi ad foetum, que die tertio observanda venit. [...] De eo Aristoteles: Generationis indicia extare incipiunt in gallinis, post tres dies totidèmque noctes. [...] Quarto itaque die si inspexeris, occurret jam major metamorphôsis, & permutatio admirabilior [...] Jam enim colliquamenti limbus lineâ exili sanguineâ purpurascens rutilat; ejúsque in centro ferè, punctum sanguineum saliens emicat; exiguum adeò, ut in suâ diastole, ceu minima ignis scintilulla, effulgeat; & mox, in systole, visum prorsus effugiat, & dispareat. Tantillum nempe est vitae animalis exordium, quod tam inconspicuis initiis molitur plastica vis Naturae! Observationem hanc, si sub finem tertii diei experiri libuerit; adhibitâ summâ diligentiâ, & clarâ, magnàque luce, vel radiis solaribus adaptatis, aut perspicilli ope, discernere poteris“ (Harvey 1651, 49). Die Beobachtungen standen also auch in engem Zusammenhang mit seiner Forschung zum Blutkreislauf. In einem späteren Abschnitt argumentierte Harvey dafür, dass das Blut der als erstes erzeugte Teil des Körpers sei (ebd. 152–163).
Harvey (1651, 54, 62). Im ersten Fall wird erneut das bereits schlagende Herz erwähnt.
Dies war nach dem sechsten Tag der Fall (Harvey 1651, 62).
Zur Verbindung von Highmore, Harvey und Boyle siehe Lüthy (1995, 463–465). Ruestow (1996, 235–237) sieht die Unterschiede in den Beschreibungen beider Forscher vor allem in ihrer jeweiligen Erwartungshaltung begründet, die aus ihren unterschiedlichen Hintergründen folgen würde.
„Towards the latter end of the third day, you shall finde this Cicatricula to be all clear in the middle Circles [...] circumscribed by a larger resplendent Circle; environed with the outermost yellow round; in which, by the help of Glasses may be discovered the small vessels coming from this dissolved yellow matter, from every side to the middle of the white Circle, which by a Microscope appears now to be the Carina or back and neck of the Chick, and the heart in the midst of it [...] On the fourth day [...] appeared a red sparkling line encompassing the white spot, now red too, and moving: whose motion plainly shew, it was the heart; as afterwards I saw by the help of a Microscope, exactly shewing me the heart perfectly fashioned [...]“ (Highmore 1651, 69–71). Man beachte allerdings, wie zuvor zumindest davon gesprochen wurde, wie sich im Unsichtbaren die Atome des Kükens sammeln würden (ebd. 68). Die Verweise auf mikroskopische Beobachtungen enden wie bei Harvey am sechsten Tag: „The sixth dayes observation shews every part more distinctly, and what before even by the help of Glasses seemed but darkly adumbrated; now begin to confess themselves by their visible shapes and actions“ (Highmore 1651, 74).
Zusätzlich werden auch Beobachtungen an Floheiern erwähnt; wiederum mit besonderem Augenmerk für das Herz (Kircher 1665, 2.335–336, 371).
Kircher (1658, 39, 42–45, 50–51), vgl. auch Kircher (1665, 2.370–371, 357). Wilson (1995, 155–158) legt nahe, dass Kircher durch eine Schrift von August Hauptmann beeinflusst wurde, in der eher beiläufig auf mikroskopische Beobachtungen verwiesen wurde (Hauptmann 1650, 15), übersieht dabei aber, dass Kircher bereits 1646 entsprechende Ideen formuliert hatte. Die von ihr geschilderten Entwicklungen in Bezug auf das Konzept eines Contagium vivum (Wilson 1995, 140–175, bes. 148–153), legen allerdings nahe, dass Kircher auch in diesem Fall in erster Linie gegen atomistische Überlegungen argumentieren wollte (vgl. o. S.
„Sunt autem hi vermiculi pestis propagatores tam exigui, tam tenues & subtiles, ut omnem sensus captum eludant, nec non nisi exquisitissimo smicroscopio sub sensum cadant, atomos diceres [...] Rem autem aliter se non habere, ac dixi, me sanguis putridus febribus laborantium sat superque docuit [...]“ (Kircher 1658, 141; s.a. 39). Zur Zensur und Publikation des Scrutiniums siehe Baldwin (2004, 71–72) und Siebert (2004, 82–83).
„In Gonorrhea virulenta militis, seu balano ejus, amicus meus observavit Insectulum limaciformem, sed ferè invisibilem [...]“ (Borel 1656a). Man beachte auch die Erwähnung anderer durch Fäulnis erzeugter Würmer (ebd. I, II, XIV, LXXII) sowie die Erwähnung unsichtbarer, krankheitserzeugender Animalcula in der Luft mit Bezug auf Johann Heinrich Alsted (ebd. LXXIX; vgl. Wilson (1995, 154)). Auch in Borels Sammlung mit medizinischen Beobachtungen waren Würmer im Blut erwähnt worden (Borel 1656b, Cent. III, Obs. IV). Hier wurde jedoch, anders als Singer (1914, 273) behauptet, kein Mikroskop erwähnt. Vielmehr zeigt der fehlende Bezug zu Krankheiten oder Fäulnis, dass es sich um ein gänzlich anderes Phänomen gehandelt haben dürfte.
Hinsichtlich der möglichen praxisbezogenen Anwendungen des Mikroskops siehe Borel (1656a), bezüglich konkreter Krankheiten ebd. (XXX–XXXII, XCV).
Die entsprechenden Beobachtungen bezogen sich entweder auf Insekten (Borel 1656a) oder Eier (ebd. XVIII, XX), die auch in Analogie zu Pflanzensamen gesehen wurden (ebd. XLIV).
„Cor, renes, testiculi, jecur, pulmo, aliaque corporis parenchymata, plexum esse organularum & Fibrarum videbis, seu cribra, quibus variae substantiae à natura secernuntur, juxta pororum figuras, quibus certis certae figurae tantu[m] atomis datur ingressus“ (Borel 1656a). Dementsprechend merkte er auch an, dass sich in der Chyle Partikel fänden, welche dem Urin fehlten, weil sie durch Poren und Klappen in den Venen und anderswo herausgefiltert würden (ebd. LXXV). Für die Haut stellte er einerseits eine netzförmige Struktur fest (ebd. LXXXVIII), andererseits erwähnte er im Zusammenhang seiner Beobachtung von Haaren ihre durch letztere verdeckten Poren (ebd. XIII).
Borel (1656a) hatte jedoch (wie auch Kircher (1646, 834)) keinen expliziten Bezug zu einer Krankheit hergestellt. Dass sich auch in seinen medizinischen Beobachtungen (Borel 1656b) keine entsprechenden Beobachtungen finden, spricht dafür, dass Power (1664, 55–56) sich hier wirklich auf die mikroskopische Centuria bezog.
S.o. S.
Hooke (1665, 157–158). Ein gewisses medizinisches Interesse mag man auch aus der Beobachtung von Mohn herauslesen (ebd. 154–155).
Meli (1997, 26–28); Meli (2011b, 44).
So schrieb Malpighi schon in den De pulmonibus observationes anatomicae (1661): „De pulmonum usu scio plura ab antiquis haberi, & circa illa plurimum etiam ambigi [...]“ (Malpighi 1687, 2.323). Für ähnliche Äußerungen siehe z.B. ebd. (2.114, 119–120, 165, 171, 206, 208–209, 227, 236–237, 240–243, 320). Und in der Einleitung zu De viscerum structura hieß es zwar: „Ne miraberis, novum me de Cerebro, Hepate, & Renibus assumpsisse laborem, post doctissimorum Willis, Glissoni, Fracassati, & Belloni absolutissimas exercitationes: tantorum enim virorum placita temporis beneficio novis observationibus firmata volui [...]“ (Malpighi 1687, 2.249). Dies bedeutete aber nicht, dass nicht auch diese Forscher mitunter kritisiert werden konnten (z.B. ebd. 2.277, 293). Mit Carlo Fracassati verband Malpighi eine langjährige Zusammenarbeit (Adelmann 1966, 1.171–172, 175, 179, 183, 237, 243, 296, 351, 375).
Dabei scheint die Menge der untersuchten Tiere im Laufe der Zeit stetig angewachsen zu sein: So wird bspw. in De pulmonibus (1661) auf die Strukturen der Lungen von Säugetieren, Fischen, Fröschen und Schildkröten verwiesen (Malpighi 1687, 2.321, 325, 327, 329), in De omento (1665) werden die Fetthäute von Menschen, Hunden, Hirschen, Schweinen, Fischen, Schafen, Rindern, Ziegen und Löwen erwähnt (ebd. 2.228–230), in De viscerum structura (1666) die Lebern von Schnecken, Eidechsen, Fischen und Mäusen (ebd. 2.251–254), die Hirne von Fischen und Vögeln (ebd. 2.269–270), die Nieren von Hunden und Vögeln (ebd. 2.279–280) und die Milzen von Schafen, Rindern, Menschen, Fischen und Eidechsen (ebd. 2.291–292).
Siehe die verschiedenen Erklärungen in De pulmonibus (Malpighi 1687, 2.323–326, 330). Malpighi griff jedoch bei späterer Gelegenheit doch wieder auf seine eigene Erklärung zurück (ebd. 2.317–318). Zur Diskussion zwischen Malpighi und Borelli siehe Adelmann (1966, 1.182, 186–188, 195, 197).
So schreibt (Malpighi 1687, 2.227) in der Einleitung: „Quare diu prae caeteris Fallopiana illa de Omenti usu ingenua ignorantia me in ejus indaginem excitavit [...].“ Wohingegen er später, nachdem er unter mehreren Lehrmeinungen der von Vesalius die größte wahrscheinliche Gültigkeit eingeräumt hatte: „Quare dicere quidem possumus, Mesenterium esse Adiposum, quo è Ventriculo, & tenuibus aliquando Intestinis elabens, seu percolata oleosa substantia per propria vasa, seu ductus transferatur, propriis etiam cellulis conservetur ad usus soli naturae fortè notos“ (ebd. 2.237). In Abschweifungen ging es ferner um den Nutzen des Knochenmarks (ebd. 2.236) sowie einem möglichen Zusammenhang von Fett und den Körperflüssigkeiten (ebd. 2.238–241). Zur Autorenschaft siehe Adelmann (1966, 1.261, 265).
Malpighi (1687, 2.113, 117, 119–122).
Zwar sind auch hier einzelne Texte für je eines der Organe zu finden, in denen im Anschluss an die Beobachtungen die Funktionen von Leber (Malpighi 1687, 2.261–265), Niere (ebd. 2.287–289) und Milz (ebd. 2.301–310) thematisiert wurden. Für das Gehirn beschränkten sich entsprechende Aussagen auf dessen Rinde (ebd. 2.275–277). Die Kapitel wurden anders als bei den Epistolae zuvor nicht einzeln veröffentlicht, auch ist wenig über die Vorarbeiten bekannt, was nahelegt, dass die Beobachtungen in einem kurzen Zeitraum und in enger Verknüpfung ausgeführt wurden (Adelmann (1966, 1.295–296), Meli (2011b, 114)). Als Ausgangspunkt für diese neuen Studien nannte Malpighi (1687, 2.249) jedoch die Auseinandersetzung mit neueren, themenverwandten Schriften von Willis, Glisson, Fracassati und Belloni.
Beide Untersuchungen wurden ebenfalls Teil der Epistolae. Zum Geschmackssinn und zur Zunge siehe Malpighi (1687, 2.165, 168–170). Als wichtiger Einfluss wurde hier Nicolaus Steno angeführt. Bezüglich des Tastsinnes werden explizit die Beobachtungen der Zunge als Ausgangspunkt genannt, und auch Steno wird erneut erwähnt (ebd. 2.201, 208). Zusätzlich zum Tastsinn (ebd. 206–210) finden sich Überlegungen zum Wachstum von Horn, zur Ursache von schwarzer Haut und zum Wachstum von Haaren (ebd. 2.202–204, 209–210).
Meli (2011b, 114–129, 160–165).
Malpighi (1687, 2.53); Adelmann (1966, 2.833–839).
Malpighi (1684); Adelmann (1966, 1.329–330); Meli (2011b, 321–323).
S.o. S.
Adelmann (1966, 1.267–268), Meli (2011b, 21, 142–149). Weitere Untersuchungen umfassten bspw. kranke Lungen (Malpighi 1687, 2.322), die Haut von unter Aufzehrung Leidenden (2.208–209) und kranke Milzen (ebd. 2.291–292, 300).
„Notum optimè, vetúsque est apud naturae Mystas, quamcumque miscellam, exclusionémque minimis fieri meatibus, ita ut in urinae, salviae, feminis, & aliorum cribratione, sensus, opticis etiam adjustus instrumentis, nequaquam eorum rudem etiam structuram ob exiguitatem, attingat [...]“ (Malpighi 1687, 2.247). Man beachte, dass De polypo cordis schließlich als Anhang zu De viscerum structura veröffentlicht wurde und dass Malpighi auch schon einen Teil von De omento Überlegungen hinsichtlich eines möglichen Zusammenhanges der Körperflüssigkeiten mit dem Körperfett gewidmet hatte. Allerdings erschien ihm eine Untersuchung ihrer selbst nicht erforderlich, da er den Zusammenhang auch auf anderem Wege negieren konnte (ebd. 2.238–241).
Berkel (1982, 190–192) zufolge stellten die Mediziner sogar den einzigen intellektuellen Bezugspunkt in Leeuwenhoeks Heimatstadt Delft dar. Dennoch nahm er ihrer Profession gegenüber schnell einen eher negativen Standpunkt ein (ebd. 194). Leeuwenhoeks Beteuerung vom November 1680, er habe nie einer Sektion beigewohnt (Leeuwenhoek 1939–1999, 3.294), erscheint auch insofern unwahrscheinlich als er im September 1674 eine nicht ganz geglückte Demonstration von Muskelfasern und damit zusammenhängende Instruktionen von Cornelis 's Gravesande erwähnt hatte (ebd. 1.144). Zudem ist Leeuwenhoek inmitten der Delfter Anatomen in einem Gemälde von Cornelis de Man abgedildet, das auf 1681 datiert wird (Berkel 1982, 190–191). Für de Graafs Brief siehe Oldenburg (1965–1977, 9.602).
Leeuwenhoek erwähnte im Januar 1678 gegenüber Hooke ein 9–10 Jahre zurückliegendes Experiment, bei dem de Graaf einem Hund Milch als Ersatz für Blut injiziert hatte (Leeuwenhoek 1939–1999, 2.310–315). Dazu passend wurde schon in seinen ersten Anmerkungen gegenüber Constantijn Huygens im April 1674 über die Globuli beider Flüssigkeiten ein Zusammenhang zwischen ihnen hergestellt (ebd. 1.66).
Nach den ersten Mitteilungen über die Blut-Globuli (Leeuwenhoek 1939–1999, 1.66, 74, 84–87) musste Leeuwenhoek auf skeptische Nachfragen von Oldenburg, Boyle und Thomas Gale reagieren (ebd. 1.92–96; 2.206; 6.16–19), letztere vermutlich in Zusammenhang mit einem themenverwandten Vortrag von Frederick Slare (Birch 1756–1757, 4.436–443). Später wurde neben dem Blut von Menschen, auch das von Aalen, Fröschen, Fischen, Schrimps, Grashüpfern, Krabben, Muscheln und Spinnen untersucht (Leeuwenhoek 1939–1999, 2.242–245; 4.72–77; 8.52–55, 110; 9.50; 10.170–173; 11.92, 98; 13.136–151, 320–323, 342–345; 14.8). Mit dem Konzept der im Blut enthaltenen Luft, das vermutlich auf Descartes zurückzuführen ist, beschäftigte er sich ab Ende 1691. Dabei setzte sich seine Ablehnung dieses Konzeptes, die er durch seine Beobachtungen begründet sah (ebd. 8.196–201), auch fort nachdem ihm Richard Waller ergänzende Überlegungen zugeschickt hatte (ebd. 8.335–337) und er daraufhin im 1692 das erste Mal seit 1675 von Versuchen mit einer Luftpumpe berichtete, die schließlich auch Urin mit einbezogen (ebd. 9.14–25, 38–41). Eine ähnliche Untersuchung von Cerumen folgte 1694/1695 (ebd. 11.16–21). Zu weiteren pneumatischen Versuchen s.o. S.
Dabei scheint die Untersuchung von Speichel im Zusammenhang mit denen von Blut und Milch gestanden zu haben (Leeuwenhoek 1939–1999, 1.110; 2.386–391), die von Urin aber zunächst mit einem allgemeinen Interesse an Flüssigkeiten (ebd. 1.294). Für die Studien von Sputum, Kot und Cerumen wurden hingegen der Gesundheitszustand Leeuwenhoeks bzw. seine Lebensgewohnheiten als Anlass angegeben (ebd. 2.214–319; 3.364–371; 10.6, 12, 16). Ferner wurden untersucht: Tränen (ebd. 1.126), die Gallenflüssigkeit verschiedener Tiere (ebd. 1.170–175, 264–257; 5.324–327) und Chyle (ebd. 3.294; 5.311–315).
„Ik herinner mij, dat ik 3 à 4 jaar geleden, op verzoek van wijlen den Heer Oldenburg, mannelijk teelzaad heb onderzocht en dat ik toen de genoemde diertjes als globulen heb beschouwd; maar aangezien een verder onderzoek en nog meer een beschrijving daarvan mij tegenstond, heb ik toentertijd dat onderzoek achterwege gelaten.“ — „I remember that some three or four years ago I examined seminal fluid at the request of the late Mr. Oldenburg and that I then considered those animalcules to be globules. Yet as I felt averse from making further investigations and still more so from describing them, I did not continue my observations“ (Leeuwenhoek 1939–1999, 2.290–291). Zu den Besuchen von Ham und Craanen siehe ebd. (2.280–283; 12.254) und Ruestow (1996, 216–217).
S.u. S.
Auf gemäßigte Kritik an seiner Theorie, wie sie etwa von George Garden oder Martin Lister vorgebracht wurde, folgten weder neue Beobachtung noch ein wirkliches Überdenken der eigenen Position (ebd. 10.34–63, bes. 48, 60–63; 12.213–321). Vielmehr kam es zwischen 1688 und 1700 scheinbar immer wieder zu längeren Pausen zwischen den Beobachtungen von Samenflüssigkeiten (ebd. 7.386–389; 10.28; 11.92; 12.4–9; 13.152, 228–240, 293–301; 14.38–45; 15.50–53, 118–121). Über Untersuchungen der Ovaria verschiedener Lebewesen wurde hingegen sowohl vor als auch nach der Entdeckung der Samen-Animalcula nur sehr vereinzelt berichtet (ebd. 2.328–347; 4.4–9; 5.144–207; 10.52–61, 254). Dabei wurden neben de Graaf auch Harvey und Grew erwähnt. Zur Auseinandersetzung mit de Graaf siehe Lindeboom (1982, 149–151).
Kurz nach der Entdeckung der Samen-Animalcula kam es zu einer Unterbrechung der Beobachtungen an Eiern von Insekten und Fischen, die erst 1680 auf Anfrage der Royal Society wieder aufgenommen wurden, zunächst aber ohne Erfolg (Leeuwenhoek 1939–1999, 1.372, 214; 2.244, 246, 272, 418; 3.146). Im Juli 1683 schrieb Leeuwenhoek dann: „[...] dat veele doiren die eijeren sullen werden, aan het eijernest hangende, ijder een Dierken uijt het Mannelijk zaad, sullen hebben ontfangen, en dat dese dierkens wanneer het eij gebroeijt wert, niet datelijk de figuer van het kuijcken aen neemt maar dat hetselvige in onse oogen in ongeschikte grootheijt toeneemt, te weten, dat wij eerst oordeelen het Hert te sien voort komen. Ik heb verscheijde malen getragt om de dierkens vant Mannelijk zaad vande Haen, in het doir van het eij to ontdecken, maar dit is mij tot nog toe gemist [...]“ — „[...] many [yolks] destined to be eggs, will each of them - while suspended from the ovary - receive an animalcule from the male sperm. I also think that these animalcules, when the egg is being hatched , will not instantly assume the form of the chicken, but will grow in what to us seems an irregular way; that is to say that we believe that we can see the heart originate first of all. I have several times tried to discover the animalcules of the male sperm of a cock in the yolk of the egg, but I have not succeeded in this up till now [...]“ (ebd. 4.64–67; engl. Übersetzung ans Original angepasst).
Zwar wurde auch in diesem Zusammenhang ähnlich wie bei Borel (1656a) zunächst eine Krankheit als Ursache des Samenflusses genannt, die Beschreibung der genauen Umstände unterscheidet sich jedoch in den verschiedenen publizierten Textfassungen (Leeuwenhoek 1939–1999, 2.280) und wird in den folgenden Briefen nicht mehr erwähnt, weil sich für die Untersuchung des menschlichen Samens in Leeuwenhoeks Fall auch der eheliche Beischlaf als moralisch vertretbarer Umstand der Beobachtungen anführen ließ (Ruestow 1996, 217).
„Men Heeft mij over eenige jaren te gemoet gevoert, datmen binnen Romen levende dieren in het bloet hadde gesien.“ — „A few years ago I was informed that at Rome live animals had been seen in blood“ (Leeuwenhoek 1939–1999, 2.412–413, weiter bis 419). Es kam zu weiteren, aber eher vereinzelten Beobachtungen zu Parasiten von Menschen und verschiedenen Tieren (ebd. 4.70; 7.98–112; 9.150–153, 324–343; 11.162–169; 13.164–173, 192–195), insbesondere an den Leberegeln von Schafen (ebd. 4.124–137; 9.132–140; 12.194).
Dies umfasste: Gicht (Leeuwenhoek 1939–1999, 3.88–101, 114–123, 376–379; 4.284–287; 7.258–269; 8.215–223), Zahnschmerzen u.ä. (ebd. 2.366–371; 12.192–195; 14.152–156; 15.46–61), Fiebererkrankungen (ebd. 2.392–395; 8.182–185), Blasen- und Nierensteine (ebd. 3.96–103; 7.192–239; 8.224–229), Augenverletzungen (ebd. 9.80), Schwerhörigkeit (ebd. 10.6–13), Verdauungsprobleme (ebd. 3.364–375; 5.314–319), Erkältungen (ebd. 2.314–319), Hautkrankheiten (ebd. 2.382–387; 4.170–181, 286–293; 6.38–43; 15.120–123); kurzum Krankheiten, deren Symptome sich auf bestimmte Organe oder Körperteile beschränkten oder zu besonderen Absonderungen oder Bildungen führten, die dann mikroskopisch untersucht werden konnten. Etwas anders gelagert waren dagegen die Beobachtungen an einer Ochsenzunge nach dem Verlust des eigenen Geschmackssinnes (ebd. 1.184) sowie die späteren Untersuchungen von kranken Schafslungen (ebd. 14.86–91) und des Darmes einer erhängten Frau auf Bitte des umstrittenen Anatomen Govert Bidloo (ebd. 15.300–311).
Untersucht wurden das Fieberheilmittel Sal volatile oleosum (Leeuwenhoek 1939–1999, 4.28–37; 5.344–351), Zinnober (verwendet bei Epilepsie; ebd. 5.356–369), Perlen (auf Anfrage von Francesco Corner; ebd. 15.236–253), Teesalz (ein weiteres Fiebermittel; ebd. 8.250–253), Chinarinde (ebd. 7.156–173), verschiedene Korallenarten (ebd. 7.268–277; 15.351) und Moxa (verwendet gegen Gicht; ebd. 2.228–233; 4.280–285). Ferner gab es Untersuchungen zu Giften wie Kalumba (im Auftrag von Cornelis 's Gravesande; ebd. 7.178–193) und dem heute unbekannten Euwane (ebenfalls auf Anfrage eines Arztes; ebd. 15.284–297) und zu Ameisensäure (ebd. 7.62–65). Aber auch Genussmittel wie Kaffee (ebd. 6.236–249) und Tee (ebd. 8.256–261) wurden auf ähnliche Weise untersucht.
S.u. S.
Zur Verdauung, die er als einen rein mechanischen Vorgang verstanden wissen wollte, äußerte sich Leeuwenhoek ab August 1675 (Leeuwenhoek 1939–1999, 1.316–327; 2.134, 140–143; 4.86–91). Untersuchungen von Kalbsmägen und zur Rolle der Gerinnung in der Verdauung folgten aber erst 1696 als Reaktion auf die Ansichten von Cornelis Bontekoe (ebd. 12.72–97).
S.u. S.